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Von wittenberg aus setzte Martin Luther seine 95 Thesen in die Welt
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Von wittenberg aus setzte Martin Luther seine 95 Thesen in die Welt

Times mager

95 Thesen

  • Christian Thomas
    VonChristian Thomas
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Im Frankfurter Literaturhaus werden Antworten gesucht auf die Frage, worauf Martin Luthers Macht gründete.

Am Anfang war das Wort über das Wort, verbunden mit dem Wunsch, dass es nicht dogmatisch auftrete. Auf Luther bezogen mag das ein wenig verwunderlich sein, was Friederike v. Bünau, Geschäftsführerin der Evangelischen Kirche Hessen Nassau, jetzt im Frankfurter Literaturhaus erhoffte. Denn die Macht des Luther-Wortes gründete in einem wohlweislich unbeirrbaren Glauben, so auch seine 95 Thesen, die er von Wittenberg aus in die Welt setzte.

Gerne aufgenommen wurde die Anregung für das Buch „95 Anschläge. Thesen für die Zukunft“, das Bünau gemeinsam mit dem Leiter des Frankfurter Literaturhauses, Hauke Hückstädt, im S. Fischer-Verlag herausgegeben hat und am Mittwochabend in die Welt entlassen hat. Vier der 95 Autoren saßen auf dem Podium, moderiert von Alf Mentzer. Der ZDF-Redakteur und Astrophysiker Harald Lesch holte aus zu einer Verdammung der Digitalkultur. Die Autorin Ines Seipel forderte, ohne dass das Wort über ihre Lippen gekommen wäre, eine Reformation allen aktuellen Lebens, nämlich eine Rückbesinnung auf „Augenmaß, gute Distanz, sich erbarmende Herzen“. Johann Heinrich Claussen, Kulturbeauftragter des Rates der Evangelischen Kirche in Deutschland, stellte den wahrhaftig mächtigen Satz in den Raum: „Gott ist so wenig zu gebrauchen, wie er zu fassen ist.“

Es war ein erquickender Abend, fürwahr, denn die Mission des Martin Luther macht heute noch Staunen – doch worauf gründete seine Macht? Lesch schob ein Glas an den Rand des Tisches vor ihm. Der vom Fernsehen kommende Mann wählte ein Sinnbild für Verhältnisse am Abgrund. Es blieb nicht verborgen, dass die schlichte Erörterung ausblieb: Was würde Luther zu unserem Leben heute, am Abgrund sagen? Es blieb allerdings auch die Frage unterbelichtet: Worauf gründete Luthers Macht? Sicherlich auf Sprachmacht, Wortwucht, Dogmatismus. Nicht zu vergessen, und das ging dann doch unter, auf seiner ungemeinen Untergangsgestimmtheit. Der „Verbalekstatiker“ (Claussen) war nun mal zutiefst nicht nur gläubig, sondern apokalyptisch gestimmt.

Die Schriftstellerin Thea Dorn gab zu bedenken, dass „die Fallhöhe zwischen Himmel und Erde“, die sich die Menschen ebenso wie Luther „ausgedacht haben“, heute nicht mehr gar so relevant sei. Auch aus dieser Fallhöhe bezog der Reformator seine Worte und Wirkung. Der Mensch heute, so Dorn, sei anders als der Mensch der Lutherzeit „viel ausgekochter“. Wohl wahr, auch wenn den Menschen heute weiterhin Unsicherheit und Ungewissheit schmoren lassen.

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