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Theater

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Von: Judith von Sternburg

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In einem Micky-Maus-Heftchen kann man viel über das Leben erfahren, es ist keine verschwendete Zeit, sondern eine Rückkehr zu den wesentlichen Fragen und Tatsachen. Zum Beispiel der Frage, warum Tick, Trick und Track auf ewig so viel klüger sind als ihr Onkel Donald und er trotzdem irgendwie das Sagen behält.
In einem Micky-Maus-Heftchen kann man viel über das Leben erfahren, es ist keine verschwendete Zeit, sondern eine Rückkehr zu den wesentlichen Fragen und Tatsachen. Zum Beispiel der Frage, warum Tick, Trick und Track auf ewig so viel klüger sind als ihr Onkel Donald und er trotzdem irgendwie das Sagen behält. © Imago

Sommerpausen sind nicht mehr das, was sie einmal waren. Aber das Theater funktioniert auch unter freiem Himmel wie eh und je als eine der grandiosesten Verabredungen der Menschheit.

Es ist lange her, dass der Sommer eine Pause von allem war, die Berichterstattung sich auf entsprungene Kängurus konzentrieren konnte und die Kritiker sowie die Kritikerinnen in Hängematten Micky-Maus-Heftchen lasen. In einem Micky-Maus-Heftchen kann man viel über das Leben erfahren, es ist keine verschwendete Zeit, sondern eine Rückkehr zu den wesentlichen Fragen und Tatsachen. Der Frage, warum Tick, Trick und Track auf ewig so viel klüger sind als ihr Onkel Donald und er trotzdem irgendwie das Sagen behält. Der Frage, warum Onkel Dagoberts Geldspeicher sich nie leert. In Entenhausen ändert sich nie etwas. Und die ersten 50 Jahre lang denkt man womöglich, das wäre hier draußen ebenso. Ein Irrtum.

Neben vielem anderem, wirklich vielem anderem wird im Sommer zum Beispiel inzwischen jeder zur Verfügung stehende Hügel und jede verfügbare Ruine mit Freilichttheateraufführungen bespielt. Es sind so viele, dass es inzwischen schon wieder weniger werden. Aber für einen einzigen Menschen ist es immer noch viel. Endlich also auch bei den Bad Vilbeler Festspielen „Viel Lärm um nichts“ gesehen, kichernd und zuweilen sehr lachend und wie immer ganz bei Beatrice, als sie von Benedikt verlangt, Claudio zum Duell zu fordern, weil er sich Hero gegenüber dermaßen schurkisch verhalten hat. Man weiß gar nicht, wer noch nobler ist, Beatrice, weil sie das Unrecht erkennt und laut anklagt, oder Benedikt, der nach anfänglichem Zögern bereit ist. Aus Liebe und weil Beatrice recht hat.

Natürlich wendet sich schließlich alles zum Guten, nein nicht natürlich, sondern weil es eben viel Lärm um nichts war und eine Komödie und Shakespeare für diesmal ein Herz hat. Und weil außerdem Sommer ist, können sogar Hero und Claudio noch ihres Lebens froh werden, obwohl das nach Claudios unmöglichem Betragen kaum vorstellbar ist.

Aber noch besser als Shakespeares Stück und noch besser als dieser geglückte Sommertheaterabend (noch einmal vom 26. bis 28. August im Programm) ist es, das gemeinsam mit mehr als 700 anderen Menschen anzuschauen. Auch die mehr als 700 anderen Menschen kichern und lachen sehr und freuen sich über Beatrices klaren Worte und seufzen erleichtert, als Benedikt sich Claudio zur Brust nimmt. Alles bloß ausgedacht und vorgegaukelt und für zwei Stunden geglaubt, in einer der grandiosesten Verabredungen, die die Menschheit je miteinander getroffen hat.

Dabei geht es dem Theater insgesamt so la la. Viel voller hätten die Vorstellungen zum Ende der vergangenen Saison sein müssen. Und dann kauft man sich auch noch ein Micky-Maus-Heft und stellt fest, dass sich dort doch einiges geändert hat. Keine Stabilität, kein Verlass, nirgendwo.

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