Bitte deaktivieren Sie Ihren Ad-Blocker

Für die Finanzierung unseres journalistischen Angebots sind wir auf die Anzeigen unserer Werbepartner angewiesen.

Klicken Sie oben rechts in Ihren Browser auf den Button Ihres Ad-Blockers und deaktivieren Sie die Werbeblockierung für FR.de. Danach lesen Sie FR.de gratis mit Werbung.

Lesen Sie wie gewohnt mit aktiviertem Ad-Blocker auf FR.de
  • Zum Start nur 0,99€ monatlich
  • Zugang zu allen Berichten und Artikeln
  • Ihr Beitrag für unabhängigen Journalismus
  • Jederzeit kündbar

Sie haben das Produkt bereits gekauft und sehen dieses Banner trotzdem? Bitte aktualisieren Sie die Seite oder loggen sich aus und wieder ein.

Kein Zweifel, "Der Teller ist flach" und "Die Rose ist rot", oder?
+
Kein Zweifel, "Der Teller ist flach" und "Die Rose ist rot", oder?

Times Mager

Textbaustein

  • Christian Thomas
    VonChristian Thomas
    schließen

Mittelalterliche Denker hätten angesichts des Begriffs "Frankfurts Altstadt" keinen Textbaustein auf dem anderen gelassen.

Dinge sind, was sie sind. Dieser Gedanke, diese Erkenntnis reicht weit zurück, sehr weit, so weit, als die Städte noch keine Altstadt hatten, sondern eine Altstadt waren. Wenn man diesen Satz zu rekonstruieren versucht, dann lässt er sich nicht wiederherstellen ohne ein Einfühlen in eine Epoche der Stadt, als diese noch nicht so war wie heute, aber eine heikle Sache doch schon.

War es mit den Dingen mal anders? Oder ist es aus heutiger Sicht immerzu nur bloß so, dass die Dinge einfach nicht mehr das sind, was sie mal waren. Mit dem Gedanken steht der heutige Mensch gar nicht so sehr allein da, denn diesem Gedanken ging man bereits im Mittelalter nach, ohne dass man auch nur eine Ahnung davon gehabt hätte, dass man sich im tiefen Mittelalter befand. Es war also mal tief?

Solche Vorstellungen kamen erst später auf, mit einigem Abstand zu dieser Epoche, in der das Urteil in Umlauf gebracht wurde, das Mittelalter sei eine dunkle Epoche gewesen. Aus der Perspektive der Aufklärung, deren erklärtes Programm die Erleuchtung der Menschheit war, musste das Mittelalter dunkel erscheinen.

So schwer vorstellbar es ist, dass das Mittelalter je tief war, auf jeden Fall wurde in ihm bereits tief gedacht, und der Universalienstreit gehörte gewiss dazu, mithin die Frage, was Begriffe leisten können, und inwieweit sie, die Begriffe, die Funktion erfüllen, Gegenstände oder Vorgänge oder auch Eigenschaften zu kennzeichnen, so dass sich etwa mit Fug und Recht sagen lässt „Die Rose ist rot“ oder „Der Teller ist flach“, ohne dass darüber ein Zweifel aufkommen könnte. Lassen sich doch diese Aussagen auf ihren Wahrheitsgehalt hin überprüfen wie ja auch der Satz: „Was für ein altes Haus.“

Dabei, bei diesem Ausruf, handelt es sich nun nicht um einen sogenannten Prädikatsausdruck (ist rot, ist flach, ist dick, ist alt). Auf jeden Fall war dem Mittelalter bereits vollkommen klar, dass es sich bei dem Satz „Diese Idee ist alt“ nicht schon um eine Idee handelte, geschweige denn um einen Wert an sich. Ja, mehr noch! Schon der mittelalterlichen Scholastik war vollkommen klar, dass die Dinge nicht unter allen Umständen sind, was sie sind. Sie sind, und wo sollte das mehr einleuchten als in der Goethestadt Frankfurt, immer wieder bloß Wörter – und was sind diese anderes als Schall und Rauch, hieß es bereits im Mittelalter, als die Städte keine Altstadt hatten, sondern eine waren.

Was aber bedeutet das nun für den Gegenstand Frankfurter Altstadt? Mittelalterliche Denker bereits hätten angesichts des Begriffs „Frankfurts Altstadt“ keinen Textbaustein auf dem anderen gelassen.

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare