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Times Mager

Teufelchen

  • Harry Nutt
    VonHarry Nutt
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Die Urne des im Juli verstorbenen Politikers Fritz Teufel ist wieder aufgetaucht. In einem Eimer in der Nähe des Grabes von Rudi Dutschke.

Die Sache mit dem Eimer ist irgendwie nicht schön. Die vor gut einer Woche vom Dorotheenstädtischen Friedhof in Berlin-Mitte entwendete Urne des im Juli verstorbenen 68ers und Politclowns Fritz Teufel ist nun auf einem Friedhof in Dahlem wieder aufgetaucht. Ganz in der Nähe des Grabes von Teufels Weggefährten Rudi Dutschke. Friedhofsmitarbeiter hatten die in einem Eimer stehende Urne am Freitagvormittag in Dahlem gefunden und die Polizei verständigt.

Im Eimer, in dem die Urne in einer Plastiktüte abgesetzt worden war, fand sich auch ein Schriftstück, dessen Autoren darum bemüht waren, die Grabschändung in eine subversive Aktion umzudeuten. „Was für ein teuflischer Spaß“, stand auf dem Zettel. „Rudi Dutschke hätte das gefallen. Das Teufelchen soll nun wieder seine Ruhe haben.“

Hhm. Der Kampf um die sterblichen Überreste legendärer Persönlichkeiten zeitigt oft skurrile Begleitumstände. Nicht selten geht es dabei um Deutungshoheit. So haben unter teils dubiosen Umständen Wissenschaftler jahrzehntelang das Gehirn von Ulrike Meinhof zurückgehalten, ehe es schließlich 2002 eingeäschert und beigesetzt wurde. Um eine Leiche ohne Kopf, Hände und Füße im Medizinhistorischen Museum der Berliner Charité ranken sich seit geraumer Zeit Theorien, denen zufolge es sich bei dem Torso um den Körper von Rosa Luxemburg handelt.

Die im Düstern agierende Berliner Spaßguerilla mochte sich wohl nicht länger damit abfinden, als schnöde Grabschänder in den Subtext der 68er-Annalen einzugehen. In der Berichterstattung über den nächtlichen Urnenraub war wiederholt davon die Rede, dass die Asche auf den Wegen des so genannten Hugenottenfriedhofs verstreut worden sei. Das neben dem Grab von Rudi Dutschke gefundene Bestattungsutensil war aber verschlossen. Fritz Teufels Asche darf nun also noch einmal dort beigesetzt werden, wo auch Brecht, Eissler und Hegel liegen.

Berlins von den Lebenden viel besuchter Dichterfriedhof garantiert vielleicht nicht unbedingt Ruhe, aber mit einiger Gewissheit Nachleben. Zur Geschichte und Tragik von Fritz Teufels Leben gehört es indes, immer wieder für eine Pointe gut sein zu müssen.

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