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Terminbuch

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Das ist es, das Terminbüchlein der FR-Feuilletonredaktion.
Das ist es, das Terminbüchlein der FR-Feuilletonredaktion. © Monika Gemmer

In bestimmten Details ist die Feuilletonredaktion konservativ.

Bekanntlich sind die Arbeitsabläufe mit dem Begriff „Workflow“ überhaupt erst ins Stocken geraten. Das ist zwar seltsam, wenn man sich überlegt, was Workflow auf Deutsch heißt, andererseits ist es auch topmodern. Wäre das Times mager ein Nähkästchen, könnte es jetzt viel erzählen. Stattdessen möchte es am heutigen Montagmorgen dem Terminbüchlein ein Loblied singen.

Das Terminbüchlein enthält alles, was die Feuilletonredaktion an Terminen geplant hat. Nur Schelme und Anfänger benutzen dafür einen Kugelschreiber, es ist der Bleistift, der hier gut angespitzt bereitliegen sollte, um den jeweiligen Stand der Planung mit diversen vereinbarten Zeichen auf einen Blick zu vermitteln. Es wird radiert, aber man sieht, das radiert wurde. Subtil, unabstürzbar. Ähnlich wie der sich selbst abstellende E-Mail-Account, den einige Firmen inzwischen eingerichtet haben, kann das Terminbüchlein von zu Hause aus nicht bedient werden. Das gibt der Feuilletonredaktion Zeit, dann einige E-Mail-Sachen zu erledigen.

Das Terminbüchlein ist mittelgroß (DIN A5). Es erreicht die Redaktion auf einem unorthodoxen Weg – auf orthodoxem Weg kommen bloß die anscheinend sehr beliebten Tischkalender. Nur ein Drittel der Belegschaft benutzt einen solchen, und dieses Drittel hat sich Anfang April immer noch nicht daran gewöhnt, dass die Platzaufteilung für den Tischkalender 2018 modifiziert worden ist. Das führte bereits zu Konfusionen und Fehlplanungen! Ja, die allgemeine Aufgeschlossenheit der Feuilletonredaktion verbindet sich mit einer konservativen Haltung in bestimmten Details. Des Arbeitsablaufs zum Beispiel.

Natürlich belebt die Führung eines Terminbüchleins mit einem Bleistift – tatsächlich etlichen Bleistiften, die allerdings kommen und gehen, wie es ihnen gerade passt – auch die Handschriftdebatte. Fünfzig Prozent der Einträge sind zu vierzig Prozent unleserlich, und zwar handelt es sich dabei ausgerechnet um jene, die in klassischer Schreibschrift, also in verbundenen, vielmehr unauflöslich verknäulten Buchstaben verfasst sind. Besser zu lesen sind die kompromisslerischen, heute an der Schule beliebten, aber für die Niederschrift eines Romanmanuskripts untauglichen Druckbuchstaben. Schreibschrift, so könnte zusammengefasst werden, fördert die Toleranz, das Kombinationsvermögen, die Fantasie und die verbale Kommunikation.

Das klingt jetzt womöglich gar nicht so praktisch. Ist es aber eben doch. Eine Feuilletonredaktion unterscheidet sich mit Blick auf diese Erfahrung nicht wesentlich von einem Friseursalon und einer Zahnarztpraxis. Drei Arbeitsfelder, auf denen es gut ist, sich auf die Sache zu konzentrieren. Gilt das nicht überall? Klar, stimmt, wäre logisch.

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