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Sieben Tequila später – damals war die Welt noch in Ordnung.
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Sieben Tequila später – damals war die Welt noch in Ordnung.

Times mager

Tequila

  • Thomas Stillbauer
    vonThomas Stillbauer
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Raue Sitten damals: Als George Harrison, 17, nach England zurückverfrachtet wurde. Und man in Frankfurt Tequila trank.

Kein gutes Jahr für die Kunst, kein gutes Jahr für die Musik, dieses zwanzigzwanzig. Wo soll man abends hin? Dazu später. Vorher etwas Beatlesgejammer, denn von den Beatles hat man ewig nichts mehr gehört.

Vielleicht liegt es daran, dass sie sich aufgelöst haben. Vor fünfzig, nein, vor gut fünfzig Jahren. Seit es etwas mehr als fünfzig Jahre her ist, sind die Beatles-Jahrestage irgendwie verbraucht. Seither lebt man noch mehr in einer Zeit, in der es Kunstausstellungen nur im Computer gibt, Rockkonzerte nur im Kopf und keine Beatles, nowhere, man.

Es hätte schlimmer kommen können. Theoretisch könnten wir in einer Zeit leben, in der es praktisch nie echte Beatles gegeben hätte. Vor sechzig Jahren, erinnert der geheimnisvolle Hauptinformant der für Beatles-Jubiläen zuständigen FR-Redaktion, warf Deutschland nämlich die Beatles raus, einen nach dem anderen.

Sie hatten eine Weile im Kaiserkeller auf St. Pauli gespielt und wollten ihre Karriere mit dem Jahreswechsel im nächsten Musikclub fortsetzen, im Top Ten, da kam die Polizei, ei, was ist denn das, und schickte George Harrison (erst 17) heim nach England. Er erreichte Liverpool im November mit seiner Gitarre, seinem Verstärker und komplett pleite. Einige Tage später mussten auch die übrigen Beatles (angeblich im Bambi-Kino gezündelt) das Land verlassen. Der beleidigte Kaiserkeller-Chef soll hinter der Intrige gesteckt haben.

Raue Sitten damals. Junge Briten über Nacht abgeschoben, zack. Pilzköpfe go home. Doch dann (eventuell Zeitmaschineneinsatz?) die Beatles-Rettung. Ein halbes Jahr später waren sie wieder in Hamburg, spielten zweiundneunzig Nächte am Stück im Top Ten, sorgten anschließend für zehn Top-Beatles-Jahre und dann für weitere fünfzig, in denen wir sie ausgiebig vermissen konnten.

Halb so lang, fünfundzwanzig Jahre, ist es her, dass ein ganz anderes Stück Kultur wegbrach, das Theater am Turm in Frankfurt. O.k., es brach eher auf, an einen anderen Ort, aber ganz weg brach das zugehörige TaT-Café, und auch das tut heute noch weh.

Wie kommt man da ausgerechnet jetzt drauf? Wegen Silvester. Gerade ballert eine Böller-Debatte durchs Land, darf man oder darf man nicht, aber damals, als es das TaT-Café noch gab, war es der optimale Ort, um mitten in der Nacht beschwipste Reden zu schwingen. Babbeln statt Böllern.

An einem Silvester vor etwas mehr als fünfundzwanzig Jahren tauchten wir spät im TaT-Café auf, zu fünft in zufälliger, bald schon legendärer Zusammensetzung, tranken sieben Tequilas pro Person und fuhren einander im Einkaufswagen nach Hause, rangen an jeder Bordsteinkante um Balance und waren so frei.

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