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Inzwischen hatte Menzi Mngoma ein erfolgreiches Vorsingen an der Oper von Kapstadt.

Times mager

Tenöre

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Die Opernwelt liebt Naturtalente. Jetzt scheint in einem Uber-Wagen in Südafrika eines aufgetaucht zu sein. Die Kolumne „Times mager“.

Weit verbreitet ist die Annahme, dass die Herkunft von Tenören göttlicher sei als die anderer Stimmlagen. Beträchtlich ist die Verführungskraft Alfreds in der „Fledermaus“, der die vernünftige und verheiratete Sopranistin buchstäblich ins Bett gesungen hätte, wenn nicht ein Bass dazwischen gekommen wäre. Bässe sind konziliant, aber dann auch unüberredbar. Die Sopranistin ist übrigens auch mit einem Tenor verheiratet, aber es gibt Tenöre und Tenöre, Sie verstehen. Der Herr von Eisenstein ist gelegentlich sogar von einem Bariton gesungen worden, na ja, also.

Der Herzog und Alfred, der Teufel und die Persiflage, liegen dicht beieinander. Das also ist ein Tenor. Immer eine Rarität, immer ein Spektakel. Auch in einem Uber-Taxi in Südafrika soll jetzt einer entdeckt worden sein. Menzi Mngoma, 27, sang hier wie von ungefähr (und mit Orchestermusik vom Band) die bereits erwähnte Arie „La donna è mobile“ und zwar dergestalt, dass die Frau, die mit ihm gerade zu einem Geschäftstermin unterwegs war, ein Video davon veröffentlichte. Inzwischen hatte Menzi Mngoma ein erfolgreiches Vorsingen an der Oper von Kapstadt. Er wird demnächst an einer Talentshow teilnehmen, gibt Interviews, lässt sich fotografieren und genießt nach eigenem Bekunden den Ruhm, ist aber zur Sicherheit weiter als Uber-Fahrer unterwegs.

Das Video kann man sich anschauen. Menzi Mngoma singt gut, ungepresst in der Höhe, sicher und beweglich, nicht maximal kultiviert. Dass er das gelernt hat – im Netz findet man ihn inzwischen auch mit einer Händel-Arie, Donnerwetter –, interessiert die Interessierten nicht. Den Traum vom geborenen Tenor träumen Opernfreunde zu gerne, und in Bäckereien und Telefonläden aktive Tenöre, teils von Weltrang, teils nicht, befeuerten ihn wirkungsvoll. Dabei hat Mngoma Musikwissenschaften studiert und festgestellt, dass der Operngesang seine Welt ist. Das ist originell genug.

Schon reden die Experten mit und sagen: Es ist ein langer Weg zur Scala. Da drückt man auf einmal Herrn Mngoma die Daumen.

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