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Belange der Nase

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Wer hat eigentlich den Heuschnupfen erfunden? Lesen Sie die Antwort hier.

Willkommen zurück in der kleinen wutbürgerlichen Reihe „Von der Produktirritation zur Produktenttäuschung“. Heute: Belange der Nase.

Wie sich inzwischen herumgesprochen haben dürfte, wurde der Heuschnupfen von der Papiertaschentücherindustrie im vorigen Jahrhundert erfunden, um den Absatz ihrer Tempi zu beschleunigen. Zwar liest man immer wieder, schon die alten Römer hätten mit lästigen Allergien zu kämpfen gehabt. Selbst Augustus, Kaiser und Princeps, sei im Frühling gezwungen gewesen, alle paar Meter auf der Via Appia innezuhalten und keuchend in die Rabatten zu schnäuzen.

Aber man kennt ja diese nasenhaarsträubenden Geschichten von vor 2000 Jahren. Am Ende kommt dann einer und macht durch Handauflegen Menschen wieder sehend, die eben noch mit dick verschwollenen Augen mitten in der Birkenblüte gegen Baumstämme dotzten.

Im Ernst: Keine einzige Großmutter, auch keiner der Großväter des Verfassers klagte je über Heuschnupfenbeschwerden. Die Seuche muss somit zwingend im späten 20. Jahrhundert aufgekommen sein. Hätten wir das also schon mal bewiesen.

Bleibt die fundamentale Frage: Warum stellen die großen Papiertaschentuchfabriken ihre, Pardon, Rotzfahnen in verschiedenen Qualitätsstufen her? Wer beispielsweise auf Reisen gezwungen ist, einen Discounter in einer badischen Großstadt aufzusuchen, um den steten Quell zu kanalisieren, sieht sich dreierlei Fabrikaten gegenüber: 1. nasenschmeichelnd soft, 2. erkältungslindernd parfümiert und 3. reißfest.

Leider waren die ersten beiden Varianten ausverkauft, so dass nur reißfest blieb, ein Produkt, das mit schmirgelpapierartiger Oberfläche ausgestattet ist und, nebenbei gesagt, direkt beim ersten Reißtest riss. Die Kundschaft fuhr also mit einem großen Vorrat mäßig saugfähiger, nicht mal als zusammengeknotete Leine für einen Gefängnisausbruch tauglicher Papiertaschentücher weiter gen Süden und rubbelte sich die Nase so rot, dass sie sich am Ziel nur noch mit einem Glas Chianti vorm Gesicht in die Öffentlichkeit trauen konnte, um nicht unangenehm aufzufallen. Was überdies die Nasenfarbe fürs dritte Lebensalter ein für allemal festgezurrt haben dürfte.

Man soll bekanntlich nicht an den Symptomen herumdoktern, sondern die Ursachen bekämpfen: Pollen. Früher erledigten das die Bienen. Jetzt gibt es außerhalb der Großstädte kaum noch welche. Lasst uns also summa summarum die Bienen verherrlichen, singen wir ihr Lied, geben wir ihnen Quartier und Nahrung, auf dass sie endlich wieder sämtliche Pollen aufsammeln, bevor sie unsere Rüssel erreichen.

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