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Ein ganz schön dicker Schinken: das Telefonbuch.
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Ein ganz schön dicker Schinken: das Telefonbuch.

Times mager

Telefonbuch

  • Thomas Stillbauer
    VonThomas Stillbauer
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Der Großvater stand sogar noch drin, als er schon zwanzig Jahre seine Adresse viel weiter oben hatte.

Der aktuelle Stand: 438:312. Zum Vergleich das Ergebnis des Vorjahres: 460:344. Und das Referenzwerk von 2017, warum auch immer es noch im Regal liegt: 686:408, damals inkl. fünf Seiten für Notizen ganz hinten.

Wir sprechen von der Dicke des Telefonbuchs und seines Begleiters, nein, seiner Begleiterinnen, denn dieses Werk kommt nach wie vor im Plural daher: Gelbe Seiten. Frisch gedruckt lag das Duo auch diesmal auf der Treppe, als jährliche Kuriosität verkleidet. In Plastikfolie. In Plastikfolie! Wetten liefen längst, wann die gelben zum ersten Mal zahlreicher sein würden als die weißen Seiten. Die jüngste Entwicklung zeigt: Jetzt schwinden sie ungefähr im gleichen Maße.

Jene Tage, in denen das Telefonbuch noch lebenswichtig war, waren Tage, in denen das Telefonbuch ein Kunstwerk in Progress war. Individualisiert in Millionen Fassungen mit handschriftlich nachgetragenen Durchwahlen auf den Seiten der Stadtverwaltung. Mit Zeichnungen, Warte- und Plauderkritzeleien, Kugelschreiberskizzen an Blatträndern. Hätte man sie bloß aufbewahrt. In einem eigenen Telefonbuchzimmer. Denn dick waren sie, die Bücher, einst. So dick, dass sie nur samstagabends live im Fernsehen zerrissen werden konnten.

Jedes Jahr galt es zunächst nachzusehen, ob alle Verwandten und Freunde noch drin waren. Ironisch nachzuschauen, denn selbstverständlich waren alle noch drin. Wo hätten sie sonst sein sollen? Erst viel später tauchte zum ersten Mal die Option auf, nicht mehr drinzustehen im Telefonbuch. Es war die Zeit, als auch der Datenschutz auftauchte. Zack, stand man nicht mehr drin.

Man stand allerdings mit latent schlechtem Gewissen nicht mehr drin, denn die Großeltern zum Beispiel standen zeitlebens drin. Der Großvater stand sogar noch drin, als er schon zwanzig Jahre seine Adresse viel weiter oben hatte. Die Großmutter hütete seinen Namen. Selbst stand sie nie drin. Großmütter waren mitgemeint oder standen maximal hinter einer abgekürzten Konjunktion. Müller Guido u. Lydia.

Ewig spannend bleibt der Wettbewerb um den allerersten Eintrag. Da hat der Privat-Zahnärztliche Notdienst namens A.A.a.A. wohl in diesem Jahr die Nerven verloren. Den Spitzenplatz übernimmt der A.A.A. Schlüsseldienst, jedenfalls in dieser Stadt.

Verschwunden ist im Vergleich zu 2017 der mehrseitige Stadtplan. Orientierungslose wissen, wie hilfreich er noch 1985 war und wieso er in Telefonzellen meist geplündert wurde. Dafür ist auf der Deckel-Innenseite ein Kalender hinzugekommen, für dieses und nächstes Jahr.

Aber Vorsicht: Das Telefonbuch ist laut Aufdruck nur „gültig bis Oktober 2022“. Was dann? Legen Sie bitte nicht auf.

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