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Von: Stephan Hebel

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Denkt sich seinen Teil: Christian Perthaler, Manager der Black Wings Linz.
Denkt sich seinen Teil: Christian Perthaler, Manager der Black Wings Linz. © imago

Was meint einer, wenn er sagt: "Ich denk mir meinen Teil"? Und ja offenbar damit anzeigt, dass er anderer Meinung ist.

Der „Black-Wings-Manager Christian Perthaler“ ist dem Times mager zwar vollkommen unbekannt, aber er hat recht. Allein das ist eine schöne Abwechslung, denn mit vielen Personen, die dem Times mager bekannt sind, geht es genau umgekehrt. Aber darum geht es hier nicht.

Black-Wings-Manager Christian Perthaler hat direkt vor einem wichtigen Eishockeyspiel gesagt: „Ich verstehe nicht, was man sich dabei denkt, wenn man so etwas veröffentlicht. Ich für mich denke mir meinen Teil.“ Was es mit den Black Wings (Linz) und den Veröffentlichungen des HC Bozen auf sich hat, müssen Sie, liebe Leserinnen und Leser, sich selber denken. Hier geht es nur um den wichtigen und stetig an Bedeutung gewinnenden Satz „Ich denke mir meinen Teil“.

Student E. zum Beispiel, der in der Gastronomie ein bisschen Geld verdient, beantwortete die Frage, was er, an die Theke gelehnt, in seiner kleinen Pause so treibe: „Ich denke mir meinen Teil.“

Das geht noch, besser jedenfalls als derjenige Einsatz des besagten Satzes, der der Verunsicherung des Kommunikationsgegners bei gleichzeitiger Gesprächsfortsetzungs-Vermeidung dient, Sie kennen das vielleicht aus der Kindheit. Sie: „Nein, ich war nicht an der Schublade.“ Ihre Mutter: „Die Schokolade ist aber trotzdem weg. Naja, ich denke mir meinen Teil.“ Mal angenommen, Sie wären es wirklich nicht gewesen: Wie will man da seine Unschuld beweisen?

Sehen Sie, und genau dieses Gespräch findet jetzt täglich auf Facebook statt. Teilen Sie mal einen Artikel aus einem „Mainstream-Medium“, der, sagen wir, Wladimir Putin kritisiert. Es wird nicht lange dauern, bis einer schreibt: „Ach ja, das ,berichtet‘ also die xy-Zeitung. Da denke ich mir doch meinen Teil.“

Was wissen Sie nun? Der andere ist nicht einverstanden, aber er wird Ihnen nicht sagen, warum. Er sitzt in seiner Filterblase und hofft, dass Sie, nostalgisch ins Argument verliebt, in Ihrem eigenen Kopf nach seinen Gründen suchen, Ihnen und der xy-Zeitung nicht zu glauben. Das ist schlimmer, als keine Schokolade zu haben und noch dazu eine Mutter, die es nicht glaubt.

Sehr schön dagegen die Formulierung einer Oma dem Enkel gegenüber in einem Buch von Dirk Stermann: „Ich denk mir meinen Teil, denk du dir bitte deinen.“ Das ist ein Kommunikationsvermeidungs-Angebot auf Augenhöhe. Jeder bleibt in seiner Blase und lässt das Posten auf gegnerischem Feld einfach sein.

Das ist nicht gut für die Gesellschaft, aber es lärmt nicht so schlimm. Und am besten ist Student E. Er denkt sich seinen Teil, sagt es aber nicht. Meistens.

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