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Typisch: Wenn man sie mal bräuchte, ist die nächste Teermaschine weit.

Times mager

Teer

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Aus unserer kleinen Reihe "Neue sonderbare Verbrechensformen": Klimatisch versierter Teer-Betrug in der Lausitz.

Kaum hat sich die Enkeltrickbetrügerei erledigt, tauchen Berichte auf über noch sonderbarere Verbrechensformen. Frühe Vermutungen meinerseits, es handele sich bei der E. um eine Art jugendlicher Abschöpfung und Korrekturmaßnahme zur Geldverteilerei der Frau Andrea Nahles an die Rentnergeneration, erwiesen sich als falsch. Echtes Verbrechen, bestens durchorganisiert, harte Schauspielarbeit, packende Lügengeschichten. Muss man schon sagen.

Nun also die Steigerung aus der Lausitz: Betrug mit Teer. Die Lausitz am Ostrand der Republik hat die letzten Wochen ordentlich schwitzen müssen. Eh schon ein heißer und trockener Flecken, obwohl Lausitz eigentlich sumpfiges Land bedeutet. Lange her. Dort, wo in einer Mühle bei Schwarzkollm einst ein Müller seinen Schüler Krabat die schwarze Kunst lehrte, flirrt es vor Hitze. Der Klimawandel ist am Werk, die heißen Tage nehmen zu, es regnet manchmal heftig, aber meistens zu wenig. Ausgerechnet in dieser heißen Zeit ziehen sie los, ein „Chief“, ein paar Laster, eine Teermaschine. Sie kommen aus Irland und teeren sich durch die Lausitz.

Ihre Masche ist raffiniert: Sie geben sich als Teerarbeiter aus, die Teer vom Straßenbau übrig haben und einem ganz günstig das Grundstück teeren könnten. Warum nicht, denkt sich der eine oder andere. Ich lass mir die Einfahrt teeren. Oder die Terrasse. Oder alles. Dann teeren die Iren, während der „Chief“ den Lausitzer Grundeigentümer bequatscht, damit der nicht zusieht. Denn, so die Polizei: Der Teer ist Mistkram, übersteht keinen Regenguss. So geschehen neulich bei Ebendörfel, wo ein Mann mit einem „Chief“ debattierte, keinen Teer wollte, dann  weg musste, was erledigen. Und als er zurückkam, war alles geteert. Chief verlangt 4000 Euro. Mann ruft Polizei, die kriminellen Teerbetrüger: weg.

Seltsam wie der Krabat. Teer, schwarze Kunst? Wohin verschwinden die Teerbetrüger mitsamt Teermaschine und Teerlastern?  Wieso treiben sie monatelang ihr versiegelndes Schandwerk? Wieso finden sie noch Dumme? Wieso in der Lausitz? Weil dort die Regenhäufigkeit dank des Klimawandels noch schneller abnimmt als andernorts? Weil deshalb erst später auffällt, wie dünn die Teerdecke ist?

Womöglich. Offensichtlich eine mit Klimaforschung bestens vertraute internationale Teermafia. Was rät die Polizeidirektion Görlitz? Sie rät: „Gehen Sie nicht auf derartige Asphaltierungs-Angebote ein. Ziehen Sie im Zweifel die Polizei hinzu, wenn derartige Anbieter auf ihrem Grundstück erscheinen – insbesondere wenn diese es nicht verlassen wollen.“

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