1. Startseite
  2. Kultur
  3. Times mager

Taxi

Erstellt: Aktualisiert:

Kommentare

Je nach Ort ist vorsicht bei Gesprächen im Taxi geboten.
Je nach Ort ist vorsicht bei Gesprächen im Taxi geboten. © imago

Vertreiben wir uns die verdammte Wartezeit mit lokalen Nickligkeiten aus dem Taxibereich. Mit Mainzern, Wiesbadenern, Frankfurtern, die fahren oder gefahren werden.

Es ist die Woche der US-Präsidentschaftswahl und des 1000. Tatorts, sofern man der vernünftigen Ansicht ist, dass die Woche am Sonntag endet und nicht beginnt, wie der an sich so gut sortierte Pfarrer es die stirnrunzelnden Konfirmanden lehrte. Die Lage am Dienstag war entsprechend ernst und angespannt. Parallelen drängten sich auf und verboten sich zugleich aus Gründen des Respekts. Dass man etwa bei der US-Präsidentschaftswahl (Clinton vs. Trump) den Ausgang nicht kannte und beim 1000. Tatort („Taxi nach Leipzig“) den Ausgang nicht verraten darf. Dass es in beiden Fällen um einen Mann und eine Frau geht, die in der gleichen Berufssparte tätig sind. Dass es in beiden Fällen um stressige Berufe und stressige Situationen geht. Dass es verdammt eng werden könnte.

Aber das bringt natürlich alles nichts. Vertreiben wir uns die verdammte Wartezeit besser mit lokalen Nickligkeiten aus dem Taxibereich. In einem Mainzer Taxi in Richtung Wiesbaden unterwegs zu sein, bedeutet zum Beispiel, dass der Taxifahrer mit ziemlicher Sicherheit auf der Mainzer Straße ein Auto mit Wiesbadener Kennzeichen anblinkern und dazu die Worte sprechen wird: Typisch Wiesbadener. Ist man nun aber zufälligerweise selbst Wiesbadener oder auch Wiesbadenerin, fühlt man sich wie im falschen Film, da die bilateralen Begegnungen auf der Mainzer Straße einem zwar vertraut sein dürften, aber eben unter anderen, geradezu umgekehrten Vorzeichen (typisch Mainzer – etwas in dieser Art). In einem Darmstädter Taxi in Richtung Frankfurt unterwegs zu sein, bedeutet zum Beispiel, bei den Fußballergebnissen etwas mehr Diskretion walten zu lassen, als es unter Frankfurtern oder auch Frankfurterinnen in diesen Tagen Usus ist. Wenn man angesichts eines Zwischenergebnisses versehentlich japst, kann einen der Taxifahrer nicht mehr besonders leiden. Das ist nicht schön. In einem Frankfurter Taxi in Frankfurt unterwegs, bedeutet wiederum, sehr geduldig zu erläutern, wie man die Berger Straße so anfährt, dass man an der richtigen Stelle rauskommt. Wenigstens flucht dann bloß die Frankfurterin über den Frankfurter und dies nach innen gekehrt.

Auch der Darmstädter Taxifahrer hat sich übrigens nichts anmerken lassen, er konnte lediglich via Hinterkopf nicht leiden und schätzte die Situation damit richtig ein: Man wollte niemanden kränken, es ist die Sache nicht wert. Schändlich, aber vorhanden der Fußball-Fan, der sich nur wohl fühlt, wenn der andere doof ist. Hier aber muss eine Spalte enden, die nicht wissen kann, in welcher Gemütsverfassung sie die Lesenden antrifft.

Auch interessant

Kommentare