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Tausch

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Von: Stephan Hebel

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Schönes Foto, trotzdem kein Rabatt.
Schönes Foto, trotzdem kein Rabatt. © imago/CTK Photo

Ist es der Hessische oder hessische Landtag? Und warum kann ich benutzte Pralinen nicht umtauschen? Sie denken, das habe nichts miteinander zu tun? Lesen Sie selbst!

Es gibt Kollegen, die den hessischen Landtag als „Hessischen Landtag“ bezeichnen, und wenn sie schon dabei sind, heißt der bayerische Ministerpräsident auch „Bayerischer Ministerpräsident“. Diese Kollegen argumentieren (jedenfalls beim Landtag), dass es sich ja insgesamt um einen Zweiworteigennamen handele, der eben groß geschrieben werden müsse, genau wie sogar die Dreiwortkonstruktion „Große Chinesische Mauer“, jedenfalls wenn es nicht um irgendeine große, chinesische Mauer gehe.

Andere sagen, der hessische Landtag sei halt Hessens Landtag, und wer ihn jedes Mal mit amtlichem Namen anspreche, habe etwas Preußisch-Autoritätshöriges an sich oder auch etwas Bayerisch-Autoritätsgläubiges, siehe nur das Königlich Bayerische Amtsgericht.

An dieser Stelle wechselt das Times mager abrupt das Thema, allerdings nicht unmotiviert, wie sich am Ende zeigen wird. Also: Der neue Kaufhauskatalog hat es in sich, denn er lädt zu Tauschaktionen in derart großer Fülle ein, dass man mutmaßen muss, das Kaufhaus wolle einen Flohmarkt eröffnen.

Allerdings folgt die Systematik, soweit erkennbar, nicht ganz dem Ideal der Tauschwirtschaft, das ja darauf beruht, möglichst gleich nützliche und damit gleichwertige Dinge gegenseitig den Besitzer wechseln zu lassen. Wir werden vielmehr verpflichtet, Neuware zu erwerben, und erhalten, wenn wir Altware mitbringen, einen Rabatt auf den Preis der neuen. Also: Neues Geschirrset „French Garden“ (nicht etwa: french Garden!) macht einundzwanzig fünfzig, altes Geschirrset abgeben macht minus zwei Euro, Ergebnis: neues Geschirrset für neunzehn fünfzig. Beim Bügeleisen ist es ganz ähnlich, aber nie vergessen: „Umtausch kann nur 1:1 erfolgen“, auch wenn das mehr nach Unentschieden (unentschieden?) klingt, als es gemeint ist.

Die schönste Tauschaktion betrifft die Steppdecke „Cathleen extra warm“. Sie kostet nur 209 Euro („Preis nach Tausch“) statt 229 Euro. Allerdings: Das Mitbringen der alten Steppdecke ist offensichtlich nicht erwünscht, das Kaufhaus begnügt sich ausdrücklich mit der „Abgabe eines Fotos Ihres alten Steppbettes“.

Wenn Sie jetzt noch Appetit auf Süßes haben: Im Trüffelkapitel ist von Tauschaktionen keine Rede. Nicht mal ein Foto unserer gebrauchten Pralinen wird anerkannt. Zudem erscheint selbst den Kollegen vom Hessischen Landtag die Schreibweise „Original Belgische Trüffelmischung“ für eine original belgische Trüffelmischung übertrieben. Aber immerhin werde sie in „praktischer Tischbox“ angeboten und nicht in „Praktischer Tischbox“.

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