Tatort „Duisburg-Ruhrort“ 1981: Im Duisburger Hafen wird der Binnenschiffer Heinz Petschek tot aufgefunden. Dringend verdächtig: Der Schiffer Jan Poppinga. Doch Schimanski klärt alles auf – und sagt dabei auch mal „Scheiße“.
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Tatort „Duisburg-Ruhrort“ 1981: Im Duisburger Hafen wird der Binnenschiffer Heinz Petschek tot aufgefunden. Dringend verdächtig: Der Schiffer Jan Poppinga. Doch Schimanski klärt alles auf – und sagt dabei auch mal „Scheiße“.

Times mager

Endlich den allerersten Schimanski-Tatort sehen können

Wählscheibe, Kassettenrekorder, Glücksklee: Endlich den allerersten Schimanski sehen können, „Duisburg-Ruhrort“.

Mit 39 Jahren Verspätung den ersten Schimanski gesehen, „Duisburg-Ruhrort“. Die Gründe für diese Verspätung liegen im Biografischen und hängen auch damit zusammen, dass es damals noch eine Art Oberhoheit über den Fernsehapparat gab, der wiederum die einzige Möglichkeit war, zu einem bestimmten Zeitpunkt einen bestimmten Film zu sehen. Das muss man sich mal vorstellen.

Unsereiner war aber alt genug, in der „Hörzu“ die empörten Leserbriefe zur Kenntnis zu nehmen. Die Eltern hingegen eher lässig: Der sage halt auch mal „Scheiße“. Wobei Schimanski auch „Arsch“, „Arschloch“, „Kameltreiber“ und „Nutte“ sagt. Bei ihm klingt das interessanterweise vorurteilsfrei und unbedeutend.

Schimanski: Wenn ein Tatort ins kollektive Bewusstsein übergeht

Einige Momente des Films scheinen in ein kollektives Bewusstsein übergegangen zu sein: Sie sind vertraut, auch wenn man bisher den Zusammenhang nicht kannte. Dazu gehört etwa die herrlich sinnlose Übertrapazierung des Nachnamens Petschek, so als würde Schimanski mit dessen manischer Wiederholung versuchen, Ordnung in eine Handlung zu bringen, die er selbst ständig unterbricht und stört. Hierzu gesellt sich die Beharrlichkeit, mit der er Poppinga wie Poppinger spricht. Man kann sich nicht satt daran hören, sollte man auch nicht, kommt immer wieder.

Wesentlicher ist natürlich die Selbstverständlichkeit, mit der ein Kassettenrekorder oder ein graues Telefon zum Einsatz kommen. Den Kassettenrekorder braucht Schimanski, um zu seinem ersten Auftritt im Fernsehen „Leader of the Pack“ von The Shangri-Las zu spielen, ein an dieser Stelle unwiderstehliches Lied, obwohl oder weil er dazu schön aussieht und rohe Eier isst. Der Titel von 1964, liest man, kam im selben Jahr, 1981, wieder als Single heraus. Auch Musik musste noch regulär im Laden gekauft werden. Findige hielten zwar beim Radiohören den Kassettenrekorder in Bereitschaft. Da gab es aber häufig Pannen.

Götz George - in der Rolle als Schimanski hundert Prozent er selbst

Das graue Telefon hat eine Originalwählscheibe und ist kurzum ein richtiges Telefon. Einmal dient ein alter Kneipenapparat dazu, eine Nummer durchzugeben, weil man sonst nicht erreichbar wäre. Nicht erreichbar! Für den Kaffee steht Glücksklee bereit, aber vor allem trinken die Deutschen Bier, die Türken Raki. Alle trinken. Die Missetäter sind zum Teil arme Würstchen, Schimanski merkt das und ist plötzlich sehr zivil. Es ist zu spüren, wie Götz George mit der Rolle rumprobiert, dabei ist Schimanski gerade im Fahrigen, Unlogischen und Empfindsamen schon hundert Prozent er selbst.

Auch in den Rockern am Rande – Milchgesichter, aber respektlos und voll brutal – steckt bereits jene spezielle 80er-Jahre-Renitenz gegen die Kohl-Ära, bevor diese überhaupt begonnen hatte.

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