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Diese Mäuse flattern einem aber auch überall dazwischen.

Times mager

Tastsinn

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Wir kehren zurück zum Thema Tastatur, konkret: Tastatur, die Brösel aus gefühlt zehn Jahren speichert.

Sätze, die vor 30 Jahren auch noch weitaus mehr Tumult verursacht hätten: „Eine Maus im vollen Betrieb abwischen.“ Selbst die Älteren werden sich vermutlich nicht erinnern, aber jener Satz stand vorige Woche bereits an dieser Stelle, nur etwas tiefer, und er wäre ausgangs des Textes gern noch einmal zitiert worden, was ihm aus Platzgründen nicht bzw. erst heute gelang.

Es ist aber ohnehin unerlässlich, noch einmal auf das Phänomen verschmutzter Arbeitsutensilien einzugehen, hier: Mäuse, aber auch: Tastaturen. Nicht, weil auch dieser Text auf einer Tastatur getippt worden wäre, deren zu hoher Verschmutzungsgrad dem Autor erst auffiel, als es wieder einmal zu spät, sprich: der Computer bereits angeknipst war. Was er natürlich dennoch ist, der Text. Also auf einer Tastatur getippt, die 2013 oder so zum letzten Mal generalgereinigt wurde.

Es handelt sich beim Phänomen bappig-krümeliger Arbeitsutensilien eben um ein brennendes Thema der Zeit. Das konnten Sie zuletzt ganz deutlich daran erkennen, dass es an zwei Stellen gleichzeitig in diesem Qualitätsmedium auftauchte; ein Künstler hatte gar fotografisch festgehalten, wie sich mehrere Personen an mehreren verschiedenen Arbeitsplätzen nicht zu unfein waren, Nahrung direkt im Luftraum über ihrer Tastatur einzunehmen.

Damit nicht genug: Mitten in den Entstehungsprozess dieses Qualitätsmediums mit dem brennenden Thema schneite ein Kollege, der üblicherweise an anderer Stelle seinen Dienst am Wort verrichtet, und entlieh den Arbeitsplatz eines weiteren, gerade verurlaubten Kollegen. Den Worten „Wie sieht denn die Tastatur aus!“ ließ der auch musikalisch bewanderte Schreibgast ein sicher siebenminütiges Crescendo des perkussiven Tastaturschüttelns und Krümel-auf-den-Tisch-Rieselns folgen. Dies alles, ohne dass die Beteiligten ahnten: Tags darauf würde das Thema an gleich zwei Stellen in diesem Qualitätsmedium auftauchen. Sie wissen schon.

Aber das Beste kommt ja noch: Jener Kollege, Profi im Tastaturschütteln und zugleich ein ausgewiesener Könner am Holzblasinstrument, das oft fälschlich zum Blechblasinstrument erklärt wird, schlug unlängst vor, man solle doch gemeinsam den „Wild Cat Blues“ einstudieren, jenes entzückende Stück Jazz, zu dem unter anderem die Miezekätzchen im legendären Fernseh-Pausenfüller des Hessischen Rundfunks einen hohlen Würfel durchkletterten. Und jetzt raten Sie mal, was ebenfalls in der Zeitung mit den Mäusen und Tastaturen vorkam.

Zum Abschluss sei noch gebeichtet, dass in einer ersten Version dieses Textes versehentlich „Wild Bat Blues“ stand. Diese Mäuse flattern einem aber auch überall dazwischen.

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