Bitte deaktivieren Sie Ihren Ad-Blocker

Für die Finanzierung unseres journalistischen Angebots sind wir auf die Anzeigen unserer Werbepartner angewiesen.

Klicken Sie oben rechts in Ihren Browser auf den Button Ihres Ad-Blockers und deaktivieren Sie die Werbeblockierung für FR.de. Danach lesen Sie FR.de gratis mit Werbung.

Lesen Sie wie gewohnt mit aktiviertem Ad-Blocker auf FR.de
  • Zum Start nur 0,99€ monatlich
  • Zugang zu allen Berichten und Artikeln
  • Ihr Beitrag für unabhängigen Journalismus
  • Jederzeit kündbar

Sie haben das Produkt bereits gekauft und sehen dieses Banner trotzdem? Bitte aktualisieren Sie die Seite oder loggen sich aus und wieder ein.

Der Name Forsythe hat in der Tanzwelt einen ganz besonderen Stellenwert.
+
Der Name Forsythe hat in der Tanzwelt einen ganz besonderen Stellenwert.

Times mager

Tarnung

  • Sylvia Staude
    VonSylvia Staude
    schließen

Schnörkellos verabschiedet sich William Forsythe aus Frankfurt. Wie brodelte es damals, als die Stadt das Ballett abschaffte. Und wie still es nun ist, da eine Ära zu Ende geht.

Sie nehmen Abschied. Sie tun das mit der großen Klappe Antony Rizzis, der augenzwinkernden Divenhaftigkeit Dana Caspersens und dem vor 15 Jahren uraufgeführten Stück „Kammer/Kammer“ – da war William Forsythe noch Chef eines stolzen, als dritte Sparte an Frankfurts Städtischen Bühnen installierten Ensembles.

Als Wiederaufnahme ist „Kammer/Kammer“ in diesen Tagen ein paarmal zu sehen, dann ist in Frankfurt große Forsythe-Pause: Jacopo Godani, neuer Direktor einer „Forsythe Company“, in der kein einziger der derzeitigen Forsythe-Tänzer noch sein wird, zeigt im ersten Jahr nur eigene Werke.

Man kann es seltsam finden, dass das Ensemble nicht gleich auch umbenannt wurde, aber in der Tanzwelt hat der Name Forsythe den ganz besonderen Klang: Das Dresdner Semperoper-Ballett meldet just, und zwischen den Zeilen schwingt Triumph, dass es nun fünf Jahre lang das alleinige Recht habe, den Forsythe-Klassiker „Impressing the Czar“ aufzuführen.

Da huscht er zum Verbeugen auf die Bühne

Auch der Zar unter den Choreographen des 20. Jahrhunderts nimmt in Frankfurt Abschied. Er huscht zuletzt zum Verbeugen auf die Bühne, an der Hand Dana Caspersens, als wolle er gleichzeitig sichtbar und unsichtbar sein, sich noch ein wenig feiern lassen und die Sache zügig abhaken. Eine taubenblaue Beanie (eine Art Zipfelmütze) ist bis über den oberen Rand der Brille gezogen, als wehe ein eisiger Wind durchs Bockenheimer Depot, ein Bart bedeckt die untere Gesichtshälfte, irgendetwas scheint William Forsythe zu sagen, aber es ist nicht zu hören.

Als leicht verwilderter Hip-Hopper präsentiert er sich den Frankfurtern so zum kurzen, schnörkellosen Abschied. Und obwohl von seinem Gesicht fast nichts zu sehen ist (und das Wenige nur kurz), zeigt sich das Publikum informiert: Das ist Forsythe, flüstert es.

Die Bude ist noch mal voll und es wird sehr freundlich applaudiert. Aber wie brodelte es in der Stadt, als das Ballett abgeschafft wurde, und wie still ist es nun, da eine Ära zu Ende geht. Seit Jahren schon hat man sich wohl voneinander entfernt, der Tanzerneuerer und sein Publikum, dem es irgendwann genug war an Erneuerung.

Umso schöner, dass Forsythe nicht nur bei den letzten Aufführungen hinter den Kulissen anwesend ist (das war er eigentlich immer), sondern sich auch ganz gegen seine Gewohnheit zum Curtain Call auf die Bühne holen lässt. Man meint, im Schatten von Beanie und Bart ein breites Lächeln zu sehen.

Wie immer bei William Forsythe kann man sich aber auch täuschen. Gern stiftet er Verwirrung, und sei es mit einer Zipfelmütze.

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare