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Überreife Bananen oder gut getarnte Wolfszahnnattern?

Times mager

Tarnung

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Alles eine Frage der Tarnung: Wie viele unentdeckte Wolfszahnnattern und mattweiße Maultaschen mögen sich in unserer Küche herumtreiben.

Campylobacter heißt der Giftzwerg, der „gramnegativ“ (wissenschaftlich für: gut gelaunte Bakterie) auf toten Hähnchen sitzt, diese aber nach neuen Erkenntnissen fluchtartig in Richtung Küchenzubehör verlässt, wenn man das Hähnchen vor dem Braten wäscht. Jedenfalls warnt der britische Abwehrdienst MI5, äh, die Food Standards Agency jetzt davor, totes Huhn vor der Zubereitung zu waschen. Jahrelang haben wir das Reinigungsritual bei etwa jeder zweiten Hähnchenzubereitung unterlassen und hatten ein furchtbar schlechtes Gewissen dabei. Jetzt, da wir es, wissenschaftlich untermauert, nicht nur unterlassen dürfen, sondern zum Schutz unserer Gesundheit sogar sollen, wo ist da der BND?

Auch in dieser Zeitung wurde kürzlich vermeldet, wie weder MI5 noch BND, wohl aber ein Forscher eines kambodschanischen Instituts ein weit größeres Lebewesen enttarnte: eine circa 40 Zentimeter lange Wolfszahnnatter. Die Schlange, so der Forscher Neang Thy, sei so lange verbogen geblieben (also: ihre Existenz in den kambodschanischen Kardamom-Bergen), „weil sie mit ihren dunkelbraunen Flecken auf hellbrauner Haut außergewöhnlich gut getarnt ist“. Nun, man sollte meinen, dass das ganz drauf ankommt. Auf unserem mattweiß gekachelten Küchenboden zum Beispiel wäre sie mit dunkelbraunen Flecken auf hellbrauner Haut eher nicht so gut getarnt. Vermutlich würden wir uns nach ihr bücken, um die olle Banane aufzuheben. Der Irrtum würde beiden Seiten nicht gefallen, doch würde wohl keiner zu Schaden kommen. Denn die Wolfszahnnatter ist nicht giftig und wir würden den Versuch, sie zu schälen, schnell als unpraktikabel erkennen.

Am heutigen 18. Juni im Jahre 1680 wurde zu Wittenberg der Postkommissar Johann Georg Zimmermann geboren, der nicht als Postkommissar einigen Nachruhm erlangte, sondern als Ehemann einer Giftmörderin. Als dritte Frau Zimmermanns vergiftete sie dessen Stieftochter und drei Söhne aus erster Ehe, dazu als Kollateralschaden das Kindermädchen, dem der eine Sohn eine arsenhaltige Maultasche weitergeschenkt hatte. Wikipedia formuliert nach Aufzählung der fünf recht nah aufeinander folgenden Tode mit Finesse: „Obwohl es offensichtlich war, dass die Frau über giftige Mittel verfügte, nahm man die Ursachenklärung nicht mit aller Konsequenz wahr.“

Wie kann man nur so arglos sein, möchten wir sagen. Fragen uns aber sogleich, was sich an unentdeckten Wolfszahnnattern und mattweißen Maultaschen in unserer Küche herumtreiben mag, ohne dass wir im Mindesten misstrauisch sind.

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