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Kolumne

Tante Mildred

Für wie blöd hält man Tante Mildred eigentlich? Um wie viel ärmer wäre die Welt ohne ihre Weihnachtsgeschenke bzw. deren Folgen: Wenn keine jungen Männer mehr mit absurden Strickpullovern zur Arbeit schleichen, auf die lustige Weihnachtsmänner appliziert wurden und so weiter.

Wider Erwarten muss das Times Mager doch noch einmal auf Weihnachten zurückkommen. Mancher wird bereits wissen, was die Washington Post enthüllte und der britische Guardian soeben en detail schilderte: Der Internetversandhändler Amazon hat offenbar ein Patent angemeldet, das es künftig möglich machen könnte, Geschenke umzutauschen, die den Adressaten noch nicht erreicht haben. Potzdonner.

Das funktioniert mit einer Art Filter, den der potenziell Beschenkte aktivieren und mit Daten füttern kann. Beispielsweise: „keine Strickwaren“, „nichts, wo der Name Justin Bieber vorkommt“, „kein Buch“. Ernsthaft. Der Extradienst kann so eingestellt werden, dass der Beschenkte (also Lieber-nicht-Beschenkte) von dem nichtversandten Geschenk erfährt und sich sogar dafür bedanken kann.

Der Anlass für diesen unsympathischen Aufwand wird im englischsprachigen Raum auf eine gewisse „Tante Mildred“ geschoben. Sie steht für jene liebenden Menschen, die all die unerwünschten Geschenke auf den Weg bringen. Für wie blöd aber wird Tante Mildred gehalten? Sie wird künftig ihre Nefflein bitten, ihr ein Handyfoto zu schicken, auf dem man sieht, dass die rote Pudelmütze sitzt. Und wenn sie nicht von selbst darauf kommt, wird sie vielleicht durch einen Zeitungsartikel darauf aufmerksam. Tante Mildred hat bestimmt eine ordentliche Zeitung abonniert.

Der Internetversand will sich begreiflicherweise von dem Problem befreien, dass laut Guardian ein Drittel der so verschenkten Stücke umgetauscht wird. Man kann das also ehrlich und praktisch nennen. Die Welt aber wird um einiges ärmer sein, wenn keine jungen Männer mehr mit absurden Strickpullovern zur Arbeit schleichen, auf die lustige Weihnachtsmänner appliziert wurden. Wenn Frauen mittleren Alters keine Gelegenheit mehr haben festzustellen, dass es just ein warmer und rosafarbener Bademantel war, der ihnen zu ihrem Glück fehlte. Der Witz an einem guten Geschenk ist gerade, dass man nicht wusste, wie gut man es brauchen kann. Dass es beim Schreiben angenehm ist, aus einer Sherlock-Holmes-Tasse zu trinken: Wer kommt denn auf so etwas?

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