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Alle wollen Frieden: Aber warum gibt es ihn dann nicht?

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Von: Sandra Danicke

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Ein Blumenbeet als Friedenszeichen.
Ein Blumenbeet als Friedenszeichen. © Imago Images

Angeblich wollen alle Menschen friedlich zusammenleben. Doch die Realität beweist: So einfach ist das nicht.

Frankfurt – Heute, am 16. Mai, ist der Tag des friedlichen Zusammenlebens. Zum fünften Mal wird er begangen. Das ist einerseits schön, andererseits grotesk. Man hat ja gerade in diesen Wochen das Gefühl, dass weltweit immer weniger friedlich zusammengelebt wird. Wobei dies womöglich nur eine Momentaufnahme ist und noch nie in der Menschheitsgeschichte friedlich zusammengelebt wurde und wenn doch, waren und sind dies vielleicht nur Ausnahmen von der Regel.

Man braucht nur einen Blick auf die Polizeimeldungen der vergangenen Tage zu werfen. Da schlug in Hagen ein Mann seiner Freundin mit der Faust mehrmals ins Gesicht und würgte sie, weil sie „über eine bevorstehende Ehe“ (ihre?) in Streit geraten waren. Da verdrehte - ebenfalls in Hagen - ein (anderer) Mann seiner Lebenspartnerin das Handgelenk, kratzte sie, weil sie auf dem Handy ein Video schaute, „mit dem er nicht einverstanden war“. Ja, häusliche Gewalt ist ein trauriger Dauerbrenner in den Polizeimeldungen.

Frieden auf der Welt: Völker tun sich genauso schwer wie Paare

Einer Umfrage der Partnervermittlung Parship zufolge kommt es bei 63 Prozent, also fast zwei Dritteln der deutschen Paare, mindestens einmal im Monat zum Streit. Kleine Missverständnisse sind dabei nicht mitgerechnet.

Auch Völker tun sich bekanntlich oft schwer mit dem friedlichen Zusammenleben. Dem Global Peace Index 2021 zufolge ist Island das friedlichste Land der Welt, gefolgt von Neuseeland und Dänemark. Deutschland rangiert auf Rang 18; irgendwas machen wir hier also falsch. Indikatoren für den Friedens-Index sind übrigens „das Level der gesellschaftlichen Sicherheit, das Ausmaß der anhaltenden nationalen und internationalen Konflikte und der Grad der Militarisierung“. Da darf man auf das Ergebnis von 2022 gespannt sein.

Tag des Friedens - Kriegstreiber unterschreiben UN-Resolution

Die Frage, die sich zum 16. Mai stellt, ist: Kann man friedliches Zusammenleben institutionalisieren? Muss man es – aller Skepsis zum Trotz – wenigstens versuchen? Schämt sich ein Aggressor (eine Aggressorin) mehr, wenn er oder sie vor dem Angriff seine friedlichen Absichten kundgetan hat?

Die Resolution zum Tag des friedlichen Zusammenlebens unterzeichneten und verabschiedeten am 8. Dezember 2017 alle 193 Nationen in der UN-Generalversammlung einstimmig. Darunter die Russische Föderation, die Türkei, Nordkorea, Äthiopien, Libyen. Länder in denen Kriege geführt werden, Diktatoren herrschen.

Die Vorstellungen von konfliktarmer Koexistenz sind offenbar äußerst verschieden. (Sandra Danicke)

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