Keine Leuchte.
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Times mager

Täuschend - Die Feuilleton-Kolumne

  • Stephan Hebel
    vonStephan Hebel
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Ein Flamingo mit Erdspieß? Lieber ein leuchtender Ginkgo? Von der Qual der Wahl.

Sie kennen das Problem: Kaum haben Sie sich für den Solarstecker „Flamingo“ entschieden, springt Ihnen schmerzhaft der Solarstecker „Ginkgo“ ins Auge. Wer soll sich da entscheiden?

Dabei sind Sie erst auf Seite 6, Kapitel „Frühling in Ihrer Garten-idylle“, und der Katalog hat 196 Seiten. Vielleicht sollten Sie doch die Stecker Stecker sein lassen und bei „Solarleuchte, 2er-Set“ zugreifen.

Die „Solarleuchte“ hat einen doppelten Vorteil, und das gleich zweimal, wegen des 2er-Sets. Erstens handelt es sich um einen „absoluten Blickfang“ (Katalog, a.a.O.), und zweitens, jetzt kommt’s: „Diese Solarleuchten mit je 3 runden Blüten wirken täuschend echt.“

Das wollen wir aber auch gehofft haben! Zur Sicherheit nur kurz die Nachfrage: Sind das nun Solarleuchten oder wirken sie nur so? Und falls Letzteres zutreffen sollte: Wie wirkt man wie eine Solarleuchte, und das sogar „täuschend echt“, wenn man gar keine Solarleuchte ist?

Die technischen Einzelheiten, die die Autorinnen und Autoren ergänzend schildern, lassen hier einen gewissen Optimismus zu: „Am Tage sammelt das Solarmodul Sonnenenergie, abends gibt es sie in Form von Licht automatisch wieder ab. Maße: Höhe 73cm (mit Erdspieß).“ Das klingt dann doch beruhigend nach Solarleuchte, mal abgesehen vom Schluss.

Letzte Frage: „Höhe 73 cm (mit Erdspieß)“ – heißt das, der Erdspieß ist in den 73 Zentimetern schon enthalten? Oder will uns die Klammer sagen, dass die Information „mit Erdspieß“ mit der Höhenangabe schon gar nichts mehr zu tun hat? Ja, schwere Kost. Vielleicht dann doch lieber Solarstecker „Flamingo“, der in seiner skurrilen Hässlichkeit fast schon an eine künstlerische Brechung von Kitsch durch Übersteigerung des Absurden glauben lässt? Bei seinem „Stecker“ handelt es sich übrigens um einen „Erdspieß“, um auch das klarzustellen.

Der Katalog enthält neben dekorativen auch praktische Elemente für den Garten und manchmal sogar beides in einem, man denke nur an die Regentonnen-Hülle in „dekorativer Holzoptik“. Aber nicht nur das: Auch in Bereichen wie „Freizeit-Paradies“ und „Rustikale Wohnaccessoires“ beweist das vorliegende Kompendium, dass Geld und Geschmack nicht unbedingt eine unzertrennliche Einheit bilden müssen.

Ein Wermutstropfen soll allerdings hier nicht unerwähnt bleiben: Dass sich zwischen den Schwerpunkten „Maritime Gartenwelt“ und „Gemütlichkeit neu interpretiert“ ohne Vorwarnung eine Doppelseite mit Bettwäsche, Gardinen und anderen vereinzelten Elementen auftut, erschließt sich auch dem verständigen Leser nicht. Das sollten die Herausgeber bei einer Neuauflage unbedingt beachten.

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