Bitte deaktivieren Sie Ihren Ad-Blocker

Für die Finanzierung unseres journalistischen Angebots sind wir auf die Anzeigen unserer Werbepartner angewiesen.

Klicken Sie oben rechts in Ihren Browser auf den Button Ihres Ad-Blockers und deaktivieren Sie die Werbeblockierung für FR.de. Danach lesen Sie FR.de gratis mit Werbung.

Lesen Sie wie gewohnt mit aktiviertem Ad-Blocker auf FR.de
  • Zum Start nur 0,99€ monatlich
  • Zugang zu allen Berichten und Artikeln
  • Ihr Beitrag für unabhängigen Journalismus
  • Jederzeit kündbar

Sie haben das Produkt bereits gekauft und sehen dieses Banner trotzdem? Bitte aktualisieren Sie die Seite oder loggen sich aus und wieder ein.

Times Mager

Szczepanik

Gerade weil der Mensch es technisch voll drauf hat, fällt es ihm schwer, sich vorzustellen, dass er „vor ein paar Millionen Jahren“ noch gar nicht vorhanden war (die Welt aber schon, Leben aber schon, es lange gut ohne uns).

FR-Leser S. aus W. ruft dem Times Mager zu, es solle doch etwas optimistischer sein, auch bitte nach vorne, in die Zukunft schauen. In jene Zukunft also, in der die FDP in fabelhafter, fast schon humorvoller Treue zu sich selbst die totale Energiewende ohne Steuererhöhungen verspricht? In diese Zukunft? Ein Mann eine Reihe weiter hinten erzählt unterdessen von einem Fernsehbericht, in dem man in einer Wahnsinnscomputeranimation das menschliche Leben „vor ein paar Millionen Jahren“ habe ansehen können. Vermutlich gibt es da sogar einen Zusammenhang: Gerade weil der Mensch es technisch voll drauf hat, fällt es ihm schwer, sich vorzustellen, dass er „vor ein paar Millionen Jahren“ noch gar nicht vorhanden war (die Welt aber schon, Leben aber schon, es ging ganz schön lange gut ohne uns und mit uns beeindruckend schnell nicht mehr so gut).

Nicht der Blick nach vorn, sondern der Blick zurück hilft dabei, die Verwirrung über menschliche Zeitspannen ein wenig im Griff zu behalten. Heute vor 85 Jahren beispielsweise starb der polnische Erfinder Jan Szczepanik. Er erfand tatsächlich sehr viel, vor allem auf dem Gebiet des Films und der Fotografie: unter anderem ein Telektroskop, mit dem Bilder und Töne aus einiger Entfernung aufgenommen werden können, oder den Fotoskulptor zur Kopie von Skulpturen (nein, das Times Mager versteht nicht, was das ist). „Agfacolorfilme“ sollen auf ihn zurückgehen, ebenso die drahtlose Telegrafie und ein kugelsicheres Gewebe, das Alfons XIII. bei einem Anschlag das Leben gerettet haben soll. Vielleicht hätte der Täter mit dem gleichfalls von Szczepanik erfundenen Elektrogewehr mehr Glück gehabt. Szczepanik befasste sich ferner mit Flugzeugen, Luftschiffen und U-Booten.

Dennoch wurde dieses Genie, auch „polnischer Edison“ genannt, nach seinem Tod weitgehend vergessen. Und wer war noch gleich Alfons XIII.? Und wie lange wissen wir noch, was ein Agfacolorfilm und wer Edison ist? Es ist jedes Mal wieder schwer zu sagen, ob die Vergänglich- und die Vergesslichkeit ein Trost sind oder ob sie einem den Rest geben. Dasselbe gilt für die Verlässlichkeit der FDP. Um gleich wieder nach vorne, in die Zukunft zu schauen.

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare