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Nicht nur in der Suppe lassen sich Buchstaben ohne Sinn und Verstand trennen.

Times mager

Strich

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Wenn man Buchstaben essen könnte, der Magen hätte sich uns längst umgedreht. Die Feuilleton-Kolumne.

Wie aus verlässlicher Quelle zu erfahren ist, gibt es für jeden eine Facebook-Gruppe. So steht es nämlich auf zahlreichen Plakaten der Firma Facebook, aber ganz ehrlich: Es bleiben Fragen offen, die auch hier nicht beantwortet werden können. Erstens: Wenn es für jeden (und höchstwahrscheinlich auch jede) eine eigene Facebook-Gruppe gibt, sind wir dann doch nicht wieder alle allein? Zweitens: Warum schreibt die Firma Facebook „Facebook Gruppe“ und nicht „Facebook-Gruppe“? Was haben die, wenn schon Gruppe, gegen ein verbindendes Satzzeichen wie den Bindestrich?

Weitere Fragen? Jawohl: Wenn schon trennen, warum dann nicht auch Wörter, die komplett zusammengesetzt sind? Warum nicht gleich Face Book Gruppe? Warum heißen die „Hamburger Hundehalter“, die Face Book als Beispiel für eine Gruppe anführt, nicht Hamburger Hunde Halter? Oder: Ham Burger Hunde Halter?

Es kommt erschwerend hinzu, dass Facebook mit dieser Marotte des vorsätzlichen oder fahrlässigen Bindestrich-(!)Verzichts keineswegs alleine ist. Der Bloggerin Janett Reimann, die vor einiger Zeit in ihren Küchenschrank hineinfotografiert hat, verdanken wir die Beispiele „Dinkel Mehl“, „Erdnuss Creme“ und „Mandel Mus“, und glauben Sie es bitte: Wenn man Buchstaben essen könnte (von Suppen Nudeln bzw. auf Deutsch: Suppennudeln mal abgesehen), der Magen hätte sich uns längst umgedreht.

Womit die Sinnfrage noch gar nicht gestellt ist. Nehmen wir mal das böse alte Wort Kolonialwarenladen. Das war der, der die geklauten Früchte besetzter Ländereien im globalen Süden verkaufte, gern auch „Südfrüchte“ genannt, aber immerhin nicht „Süd Früchte“. Bananen, Apfelsinen und solche Sachen.

Jetzt lesen Sie bitte mal laut: „Kolonialwaren Laden“. Sie können bei der Sinnsuche eigentlich nur zu zwei Ergebnissen kommen: Entweder denken Sie, dass der Herr Laden Kolonialwaren verkauft, so wie beim Eisen Werner, wo der Herr Werner eben Eisenwaren verkauft. Oder Sie denken, es handele sich um eine Aufforderung an den Spediteur, die Kolonialwaren zu laden. Es lassen sich sicher auch modernere Beispiele finden, aber dazu fehlt jetzt die Zeit.

Nur kurz, erneut mit Dank an Bloggerin Janett Reimann, das hier: „Content Marketing“, „Website Traffic“, „Facebook Seite“. Woran Sie auch sehen können, dass es sich bei dem fehlenden Bindestrich sozusagen um einen schweigenden Anglizismus handelt.

Frau Reimann teilt im übrigen mit, man spreche auch von einem „Deppenleerzeichen“. Es kann ergänzt werden: „Deppen-Leerzeichen“ geht auch. Merken Sie sich das, Herr Zucker Berg.

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