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Dornröschen in der Deutschen Oper in Berlin.
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Dornröschen in der Deutschen Oper in Berlin.

Times mager

Streikt, streikt

  • Sylvia Staude
    VonSylvia Staude
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Das Berliner Staatsballett wagte das Unerhörte: Es ließ "Dornröschen" ausfallen. Dabei akzeptiert kaum ein Bühnenkünstler so miserable Löhne wie Tänzer.

Das Publikum, so überliefern es Berliner Zeitungen, soll empört gewesen sein (empörter als beim Bahnstreik? Beim Kita-Streik? Jedenfalls wohl verständnisloser.) „Und das wollen Künstler sein!“, wird zum Beispiel eine Dame zitiert, die an dem Abend, als das Staatsballett Berlin streikte, gefälligst „Dornröschen“ sehen wollte. In diesem Satz schwingt mit: Die sollen sich glücklich schätzen, dass sie auftreten dürfen und am Ende beklatscht werden. Es irritiert auch weder die Zuschauer noch, leider, einen Großteil der Tänzer, dass ein Orchestermusiker für den Lohn, den ein Tänzer erhält, noch nicht einmal den Geigenbogen auspacken würde. Selbst regelmäßige Theaterbesucher sind meist ehrlich erstaunt, wenn sie von der miserablen Bezahlung hören; Tänzer nehmen sie als gottgegeben.

Ihre Sozialisation begünstigt das spätere Aufmucken auch nicht gerade. Die Ausbildung erfordert äußerste Härte gegen sich selbst und penibelste Aufmerksamkeit für Bewegungsnuancen. In der Regel gibt es keinen Grund, über den Trainingsweg hin zu einer bestimmten Nuance, Expression, einer speziellen körperlichen Fähigkeit zu diskutieren. Professionelle Tänzer müssen zudem ihre Ausbildung zu einem Zeitpunkt schon ernst nehmen, wenn andere Kinder vielleicht gerade die Rebellion üben.

Eigentlich streiken Tänzer nie und nimmer

Uns ist in der ganzen großen Ballettwelt kein anderer Streik bekannt als eben jetzt der des Staatsballetts Berlin (der im Moment, wie bei der Bahn, ausgesetzt ist): Tänzer rackerten sich immer ab, im übertragenen Sinn aber hielten sie still. Vielleicht sind schon mal Tanzvorstellungen ausgefallen, weil das Orchester oder die Bühnentechniker streikten. Die Tänzer – nie! Das Berliner Ensemble kämpft übrigens noch nicht einmal für höhere Löhne. Es will zum einen das Recht haben, sich von Verdi vertreten zu lassen. Zum anderen fordert es einen Haustarif-Vertrag mit spezieller Pausenregelung, da es drei Häuser bespielen und weite Wege zurücklegen muss.

Georg Vierthaler, Geschäftsführender Direktor des Staatsballetts, ist zu Zugeständnissen bereit, besteht aber darauf, dass Verdi sich rauszuhalten habe (eine patriarchalische Ich-weiß-was-für-euch-gut-ist-Attitüde, mit der Balletttänzer allemal konfrontiert sind). Auch der Kultursenat hat zwar eine Abordnung des Ensembles empfangen, dem Verdi-Vertreter aber den Einlass verweigert. Man könnte auf die Idee kommen, es geschehe, um die in der Vertretung ihrer eigenen Sache eher ungeschickten Tänzer klein zu halten. Auf dass nirgendwo anders die bisher doch so braven Bewegungsarbeiter auf die Idee kommen, dem Berliner Beispiel zu folgen.

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