Bitte deaktivieren Sie Ihren Ad-Blocker

Für die Finanzierung unseres journalistischen Angebots sind wir auf die Anzeigen unserer Werbepartner angewiesen.

Klicken Sie oben rechts in Ihren Browser auf den Button Ihres Ad-Blockers und deaktivieren Sie die Werbeblockierung für FR.de. Danach lesen Sie FR.de gratis mit Werbung.

Lesen Sie wie gewohnt mit aktiviertem Ad-Blocker auf FR.de
  • Zum Start nur 0,99€ monatlich
  • Zugang zu allen Berichten und Artikeln
  • Ihr Beitrag für unabhängigen Journalismus
  • Jederzeit kündbar

Sie haben das Produkt bereits gekauft und sehen dieses Banner trotzdem? Bitte aktualisieren Sie die Seite oder loggen sich aus und wieder ein.

Ist der Strand ein Ort zum Entspannen oder doch ein juristisches Minenfeld?
+
Ist der Strand ein Ort zum Entspannen oder doch ein juristisches Minenfeld?

Times mager

Strandrecht

  • Bernhard Honnigfort
    VonBernhard Honnigfort
    schließen

In heidnischer Zeit war man klarer, aber auch rigoroser: Was angeschwemmt wurde, gehörte dem Finder.

Wer auf der Insel Langeoog lebt, hat es auch nicht leicht im Leben, vor allem dann, wenn Stürme toben, sich draußen in der Nordsee Schiffe durch die Wellenberge quälen und dabei Container verlieren, die dann im wilden Wasser aufplatzen und Hunderttausende Überraschungseier und Legosteine an Land spülen oder containerweise Bretter. So geschehen um Weihnachten. Wenn der Langeooger dann nach abgeflautem Unwetter im Sonnenschein am Strand spaziert und überlegt, ob er ein Brett mitnehmen soll, weil man ein Brett tatsächlich immer gebrauchen kann, oder vielleicht ein paar Hundert Überraschungseier, die da im Sand glänzen, dann sollte er am besten einen Anwalt dabei haben. Nicht, weil der beim Tragen helfen, sondern die Frage beantworten kann, was man aufheben darf und was nicht. So ein Strand ist ein juristisches Minenfeld.

Eier und Legosteine sind längst weg. Eingesammelt von Urlaubern und Einheimischen, das ging ruckzuck, hat auch niemanden gestört. Als sich Insulaner aber für die herumliegenden Bretter aus Finnland interessierten, wurde es kompliziert, weil der Zoll die Strandung als Einfuhr nach Deutschland bewertete, die noch nicht verzollt war. Die Bretter in den angeschlagenen Containern waren tabu. Zum Ärger der Insulaner schaukelten sie wochenlang im Wellengang hin und her oder lagen herum, bis vor ein paar Tagen ein Havariekommando mit Bergungsschiff anrückte und den Krempel abholte.

Man könnte es einfacher haben. Derartige Unklarheiten ließen sich beseitigen, wenn nicht mehr bundesdeutsches Fundrecht gelten würde: Ein Brett ist erst herrenlos, wenn sein Besitzer es nicht mehr haben will und das sagt. Das alte Strandrecht aus heidnischer Zeit war da klarer, aber auch rigoroser: Was angeschwemmt wurde, gehörte dem Finder. Nicht nur Überraschungseier, auch ganze Wracks.

Andererseits: Die guten alten Zeiten des heidnischen Strandrechts sind auch keine Lösung, denn es kam zu Auswüchsen, die in der heutigen Gesellschaft nur von einer Minderheit akzeptiert würden: Küstenbewohner versetzten beispielsweise Leuchtfeuer, um Schiffe stranden zu lassen. Nachdem der römische Kaiser Hadrian verfügte, dass Findern nur etwas zustehe, wenn es keine überlebenden Schiffbrüchigen gebe, ging das auch schief. Fortan gab es kaum noch Überlebende. Im Jahr 1238 schließlich regelte Hamburg mit seinen Nachbardörfern an der Küste, dass Schiffbrüchige nicht einfach zu Leibeigenen gemacht werden dürfen.

Was bedeutet das für Strandspaziergänger des 21. Jahrhunderts? Am besten, man hebt nur Muscheln auf.

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare