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Um ihn herum ist ein Verlaufen unmöglich: der Stoltzebrunnen in Frankfurt.
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Um ihn herum ist ein Verlaufen unmöglich: der Stoltzebrunnen in Frankfurt.

Times mager

Stoltzebrunnen

  • Christian Thomas
    VonChristian Thomas
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Es handelt sich beim Stoltzebrunnen vielleicht nicht um den ganzen Stolz Frankfurts, aber wer weiß, wenn er denn einzieht in die neue Altstadt.

Der Mensch brauche einen Treffpunkt, war soeben in dieser Zeitung zu lesen. Und bevor wir uns (hier) mit der mittlerweile so beliebten Formulierung „in dieser Zeitung“ aufhalten, was wohl zu einem längeren Aufenthalt und Herumhampeln auf ihr (der Formulierung) führen würde, wollen wir es bei dem Gedanken an den Treffpunkt belassen. Keiner ohne Zeitangabe dann. In etwa so:

Also um kurz vor zwölf am Stoltzebrunnen!

Einverstanden! Auf der Süd- oder auf der Nordseite? Kenner lächeln jetzt, denn natürlich ist Frankfurts Stoltzebrunnen, und wo sollte es einen solchen Brunnen geben wenn nicht in Frankfurt, benannt nach dem Dichter F. Stoltze, 1816 geboren, 1891 gestorben, sowohl als auch in Frankfurt, viel zu übersichtlich, um sich um ihn herum nicht orientieren zu können. Es ist um ihn ein Beinevertreten möglich, ein Verlaufen unmöglich. Es ist unter der Büste des Dichters ein Aufschauen angesagt und um den Brunnenaufsatz herum ein Entziffern und auch ein Rätseln. Warum hat die Liegende ihr linkes Bein so sehr angewinkelt, so unbequem?

Wie viel Uhr ist es? Kurz vor zwölf. Hatten wir nicht kurz vor Zwölf gesagt?

Der Unterarm der Frau lagert auf – was eigentlich? Hatten wir Nord- oder Südseite des Brunnens gesagt? Der sich verabredende und zu einem Treffen gewillte Mensch braucht nicht nur einen Treffpunkt, er braucht auch einen, an dem ihm die Zeit nicht zu lang wird. An dem er praktisch abgelenkt wird von der Zeit. Nicht nur der Ort möge ihm einen Halt bieten, denn was böte ihm dieser, wenn er an ihm nicht auch abschweifen könnte, durch Raum und Zeit, ob nun zurückblickend oder gar vorausschauend.

Wenn im nächsten Jahr Frankfurts nagelneue Altstadt eingeweiht wird, wird es sich – Nomen est Omen – bei dem Stoltzebrunnen vielleicht nicht um den ganzen Stolz Frankfurts handeln, denn diesen Anspruch erhebt ja bereits die Altstadt selbst. Aber doch bei diesem Brunnen um ein wenig Stolz, nach dem Motto: Schau mal, er ist wieder eingekehrt in die Altstadt, an den Hühnermarkt, wo er 1895 eingeweiht wurde, in unmittelbarer Nachbarschaft des Geburtshauses des Dichters „Zum Rebstock“. Und wo der Brunnen 1944 vom zerstörten Hühnermarkt verschwand.

Punkt zwölf. Der Stoltzebrunnen wie neu. Das Denkmalamt war dagegen, ihn von einem anderen Stadtraum in den jetzt nachgemachten einwandern zu lassen. Als wäre nichts gewesen, rein gar nichts. Punkt zwölf am Stoltzebrunnen. Jetzt ist es nicht nur ein bisschen später geworden. Um ihn herum verbreitet sich so etwas wie eine nagelneue Stunde null.

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