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Kolumne

Stille

  • Marie-Sophie Adeoso
    VonMarie-Sophie Adeoso
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Der Mensch findet vollständiges gegenseitiges Verständnis erst im gemeinsamen Schweigen. Doch mit soziologischem Auge betrachtet, ist er doch nur Teil eines großen Organismus', der fortwährend lärmt.

Es ist, man muss das leider so sagen, dem Menschen die Fähigkeit zur Stille abhanden gekommen. Selbst wer schweigen möchte, tut dies heute laut, ruft „Klappe halten“ und hebt alsdann zum Lobpreisen des Königspaares an. Wir haben das irgendwo gelesen im Wald der bildenden Blätter, doch wollen fortan vornehm schweigen über den Silentio-Imperativ der Lautsprecher und uns üben in der Betrachtung des verbalen Nichts.

Es lebt der Mensch, man kann das philosophisch sehen, von jeher auf die große Ruhe hin. Berufszähler belegen stets aufs Neue, wie wir uns mühen, nicht ganz ohne Erfolg: Ehepaare zeigen sich besonders geübt im Team-Schweigen. Auf acht Minuten soll ihr durchschnittlicher Tages-Redebedarf im Laufe der Jahre sinken. Vielleicht darf also, wer die goldene Hochzeit erlebt, auf eine vollkommen stille Nacht hoffen. Es sei ihnen zu wünschen, dass redefreudige Therapeuten nicht zuvor zum Kommunikationstraining laden.

Denn der Mensch, man kann das auch poetisch betrachten, findet vollstes gegenseitiges Verständnis doch erst im gemeinsamen Schweigen. „Und wir werden zusammen schweigen – und ich werde mein Haupt an dich legen – und du wirst dein Haupt auf mich neigen – und ich werde den Nacken bewegen – und deinen Lippen entgegenstreben.“ Nein, man kann das kaum besser sagen als Christian Morgenstern.

Doch der Mensch, mit soziologischem Auge betrachtet, ist doch nur Teil eines großen Organismus’, der fortwährend lärmt. Da wird dieser Tage doch selbst die himmlischste Ruhe noch aus vielkehligem Chor besungen, und auch der Schnee kann nicht dämpfen, was George Michael oral verlässt. Jedoch – vielleicht ist „Last Christmas“ dieses Jahr tatsächlich vorbei, vielleicht kehrt die Ruhe dort ein, wo ihr sonst der Zutritt verwehrt bleibt. Heute noch bis Mitternacht nehmen britische Musiker Anlauf, den Krach aus den Charts zu verdrängen. „Cage against the Machine“ heißt ihr John-Cage-Cover-Projekt und wir wollen diese lautlosen 4’33 Minuten nun abschließend in drei Sätzen beschweigen.

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