Soll Glück bringen: Ringdrehen am Schönen Brunnen auf dem Nürnberger Hauptmarkt.
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Soll Glück bringen: Ringdrehen am Schönen Brunnen auf dem Nürnberger Hauptmarkt.

Times mager

Sterillium

  • Thomas Stillbauer
    vonThomas Stillbauer
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Was willst du machen in Zeiten der Viruskrise? Auf jeden Fall brauchst du Glück.

Weitgehend unbemerkt von der interessierten Öffentlichkeit hat der britische Musiker Keith Richards das Rauchen aufgegeben. Das wäre nicht weiter erwähnenswert, handelte es sich bei Mister Richards um einen herkömmlichen ehemaligen Raucher wie Sie und mich (oder Ihren Partner, Mademoiselle). Davon kann allerdings keine Rede sein.

Keith Richards ist bekanntlich der Leadgitarrist der Rockband The Rolling Stones (gegründet ca. 1548, kleiner Scherz), doch überdies ist er auch der zweitberühmteste notorische Raucher der Welt knapp hinter Helmut Schmidt. Beziehungsweise: war. Helmut Schmidt raucht ja aus verschiedenen Gründen schon länger nicht mehr, was Keith Richards automatisch zum erstberühmtesten notorischen Raucher machte. Und nun hat er es selber eingestellt, falls zutrifft, was der Londoner „New Musical Express“ im Februar berichtete.

Wir Musikfreunde sind ja nicht dabei, wenn sich der ca. 517 Jahre alte (noch kleinerer Scherz) Riffrocker nachmittags zur Teatime niederlässt und können also nicht beurteilen, was Richards tatsächlich mit seiner Gesundheit anstellt. Unter normalen Umständen müsste man davon ausgehen, dass ein Mann mit 76 Jahren (angeblich die Wahrheit) keine ganzen Abende mehr auf der Bühne übersteht, der sagt, es sei schwerer, mit dem Rauchen aufzuhören als damals mit dem Heroin.

Die für Musikergesundheit zuständige FR-Redaktion wird das alles kritisch überprüfen. Und bei Stones-Konzerten genau darauf achten, wer raucht und wer nicht raucht in den nächsten zwei-, dreihundert Jahren (lahmer Anschlussscherz, der aber immerhin den legitimen Einsatz eines Begriffs mit drei aufeinanderfolgenden Buchstaben S ermöglicht).

Wo wir gerade über die Gesundheit plaudern: Beim Zwischenstopp in einer fränkischen Metropole war vorige Woche nirgends mehr ein handelsübliches Desinfektionsmittel für die Hände zu ergattern. In sämtlichen Drogeriemärkten standen Menschen vor leeren Hygieneregalen. Aus Apotheken traten sie mit hängenden Köpfen und sorgenvollen Mienen heraus. Findige Ex-Raucher machten jedoch eine Apothekerin ausfindig (psst: in der B-Ebene unterm Kino), die kurzerhand eine eigene Mischung angefertigt hatte und als Sterillium verkaufte. Zu einem unverschämt hohen Preis natürlich.

Aber was willst du machen in Zeiten der Viruskrise? Auf jeden Fall kannst du Glück gebrauchen. Deshalb ziehen die Leute direkt zum Schönen Brunnen auf dem Hauptmarkt und stehen Schlange, um den sagenumwobenen Ring zu drehen, einer nach dem anderen. Wäre doch gelacht, wenn sie hernach nicht alle etwas gemeinsam hätten, die ganze Corona.

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