1. Startseite
  2. Kultur
  3. Times mager

Es steht da

Erstellt: Aktualisiert:

Von: Christian Thomas

Kommentare

Es ging das FR-Gebäude, 2006 abgerissen, nicht spurlos an den Frankfurtern vorbei.
Es ging das FR-Gebäude, 2006 abgerissen, nicht spurlos an den Frankfurtern vorbei. © FRFOTO

Zum Linie-11-Fenster hinaus zieht eine Erdgeschosszone vorbei, in der ordentlich Betrieb ist, mit Wettbüro und Bazar, Gemüseverkauf und Goldankauf.

Schaut der Straßenbahnbenutzer heute zum Fenster hinaus, ist er, sobald die 11 eingebogen ist auf Frankfurts Hauptbahnhofsvorplatz, in Gedanken gerne ganz weit weg. Etwa in den 50er Jahren, als das Gebäude entstand, das Schimmelpfeng-Haus mit seiner markanten Ecke, nicht der einzigen in Frankfurt, die man antreffen konnte. In der Stadt des Wiederaufbaus, als Ausdruck einer gewissen Aufbruchsstimmung, war sie zur „runden Ecke“ in der Großen Eschenheimer Landstraße ausgebildet, wo 1953 das „Rundschau“-Haus bezogen wurde. Links und rechts von einem Glaszylinder entstanden im rechten Winkel zwei Gebäudeflügel – und Flügel bekam wohl auch der eine oder andere Gedanke, im Haus, aus dem Haus heraus.

Es ging das FR-Gebäude, 2006 abgerissen, nicht spurlos an den Frankfurtern vorbei – so wie heute auch das Schimmelpfeng-Haus nicht, mit einer ähnlichen, nicht ganz so ausgeprägten Ecke, mit einem ähnlichen grauen Naturstein. Auszumachen ist eine Fassade mit einem Flügel, der leicht ausbuchtet, während der andere, derjenige Am Hauptbahnhof 6, dagegen einschwingt. Auch zieht zum Linie-11-Fenster hinaus eine Erdgeschosszone vorbei, in der ordentlich Betrieb ist, mit Wettbüro und Bazar, Gemüseverkauf und Goldankauf.

In Frankfurts Münchener Straße, wo mehr als ordentlich was los ist, steckt in der Fassade gar ein Garagentor, das mit fahriger (!) Hand bemalt worden ist. Ebenso wurde in die Fassade ein rustikaler Retro-Pub aus braunem Holz hineingedübelt. Halt richtig übel in die 50er-Jahre-Substanz eine ungeschlachte Mittelalter-Reminiszenz, woran astrein zu erkennen ist, dass das Schimmelpfeng-Haus Frankfurts Denkmalschutz so gut wie gleichgültig ist.

Erst vor ein paar Jahren wurde das Schimmelpfeng-Haus in Berlin abgerissen. Ein prominenter Fall! Ein Gebäude, das, im Gegensatz zum Frankfurter Pendant, die Aufnahme in den einen oder anderen Architekturführer fand. Es gab wegen des Abrisses an Berlins Kantstraße sogar eine markante Protestwelle, sah man doch in dem Bauwerk mehr als bloß das, nämlich ein -denkmal, ja, ein Symbol des Wiederaufbaus, wie man sich erinnert, während man in Frankfurt zum Fenster der Linie 11 hinausschaut, weil die 11 es ist, die der Ecke des Schimmelpfeng-Hauses in einem sehr runden Schwung folgt. Das liegt daran, dass Straßenbahnen nun mal nicht gemacht sind für eine Richtungsänderung im rechten Winkel.

So kann man in diesen Tagen zusehen, wie die Ecke noch steht. Und mit ihr Frankfurts Schimmelpfeng-Haus. Es steht da weiterhin vor sich hin. Das will in Frankfurt nichts heißen.

Auch interessant

Kommentare