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Staub

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Von: Sandra Danicke

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Frottehandtücher mögen fusseln, wären aber längst nicht mehr vorhanden, wenn all der Staub nur aus ihnen bestünde.
Frottehandtücher mögen fusseln, wären aber längst nicht mehr vorhanden, wenn all der Staub nur aus ihnen bestünde. © Karel Stipek/Imago

Staubt der Mensch, wenn er sich frisch macht? Oder wie kommen all die Staubflusen ins Badezimmer?

Natürlich wüssten auch wir gerne, wie man problemlos ein Fünf-Gänge-Menü zaubert, eine Festplatte neu formatiert oder einen Pullover mit komplexem Zopfmuster strickt. All dies könnte man immerhin lernen, wenn man sich Zeit dafür nähme. Aber manche Dinge findet man einfach nicht heraus, egal wie lange man im Netz recherchiert. Oft sind das Merkwürdigkeiten im Alltag, die man sich einfach nicht erklären kann. Zum Beispiel: der Staub im Badezimmer.

Im vorliegenden Fall handelt es sich um einen kleinen, fensterlosen Raum in der Mitte der Wohnung. Gerade dieses, der Körper-Hygiene gewidmete Refugium ist das staubigste Zimmer von allen. Wie man dagegen vorgeht, ist weithin bekannt. Wie es dazu kommt, dass bereits am Tag nach der Wischorgie und erst recht zwei Tage später ein Staubfilm auf der Wannenablage, dem Schränkchen, dem Fußboden liegt, ist aber doch merkwürdig. Kriecht er durch das kleine Quadrat des Entlüfters? Arbeitet er sich durch einen der Abflüsse vor? Bildet er sich am Ende aus fließendem Wasser?

Else aus dem Frag-Mutti-Forum erklärt, dass es an der Feuchtigkeit liegt: „Da krümeln sich die Staubpartikel zusammen und man sieht sie superdeutlich.“ Danke, Else, aber wo kommt der Staub denn nun her? Eine Person, die sich Tiggatattoo nennt, steuert folgende Überlegungen bei: „Ich glaube, dass man den Staub auf der Badewanne auch deswegen so gut sieht, weil sich wahrscheinlich der Kunststoff (aus dem die Badewannen heute sind) statisch aufladen tut, wenn man drüber rubbelt. Dann wird der Staub noch extremer angezogen. Am schlimmsten ist’s jetzt im Winter (Heizung).“ Beim Abwischen des Staubs erzeugt man demnach einen Sog, der Staub anzieht? Unglaubwürdig. Auch der Verdacht, dass die Heizung Staub produziert, ist wenig überzeugend. Täte sie dies nicht in anderen Zimmern genauso?

Auch die Wissenschaft hilft hier nur partiell weiter. Amerikanische Forscher haben in einer Studie zur Zusammensetzung von Staubpartikeln herausgefunden, dass etwa 60 Prozent des Hausstaubs von draußen in die Wohnung gelangen. Das bedeutet, dass circa 40 Prozent in der Wohnung selbst entstehen. Nur wie? Sicher: Teppiche fusseln, Sofa, Polster, Kissen geben Partikel ab, Essen zerbröselt, lockt Milben an, die wiederum koten und selbst zu Staub zerfallen. Nichts davon befindet sich allerdings in dem Badezimmer, um das es hier geht. Einzig und alleine Frottehandtücher gibt es da. Die mögen fusseln, wären aber längst nicht mehr vorhanden, wenn all der Staub nur aus ihnen bestünde.

Auch der Mensch und seine Unterwäsche können unmöglich für soviel Staub verantwortlich sein. Hm. Vielleicht sollte man sich doch einmal an einen Zopfstrickpullover heranwagen.

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