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Times mager

Stapel

  • Stephan Hebel
    VonStephan Hebel
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Ob wir aus Bäumen Papier machen oder Datenstapel anhäufen, wir sind uns ähnlicher, als wir denken.

Der Mensch lebt ja zwangsläufig zwischen zwei Zeitaltern oder fühlt sich zumindest so, jedenfalls gemessen an der eigenen Lebensspanne. Damit ist allerdings noch nicht gesagt, ob es beruhigend oder beunruhigend ist, wenn der Mensch die gleichen Probleme hat wie die Generation vor ihm, aber andere Probleme als die Generation danach.

Im vorliegenden Fall kann es nur darauf hinauslaufen, dass der erste Teil der Frage mit „beruhigend“ beantwortet wird. Es mag zwar etwas problematisch sein, mit dem hochgeschätzten älteren Ex-Kollegen R. ausgerechnet das unkontrollierte Stapeln von Wochenzeitungen gemeinsam zu haben. Aber andererseits lässt sich mit einem gewissen Stolz bemerken: Eine Gemeinsamkeit mit R. kann nichts Ehrenrühriges sein, und sei es nur das Stapeln von Wochenzeitungen.

Wie weit die Gemeinsamkeit reicht, ist nicht ganz sicher. R., damals noch kein Ex-Kollege, hatte seinerzeit nicht nur von seinem Hang zum Stapeln berichtet, sondern auch hinzugefügt, er verbringe ganze Wochenenden mit dem Abarbeiten dieser Stapel. Was ja unterstellt oder jedenfalls so gemeint sein könnte, dass die Stapel in relativ überschaubaren Zeiträumen abgebaut wurden.

Wenn der Jüngere nun den Stapeln beim Wachsen zusieht, bis die Bundesliga pausiert; und wenn der Abbau, falls überhaupt, manchmal so spät erfolgt, dass der Jüngere beim Wegräumen bereits dem einen oder anderen Insekt beim Stapellauf zusehen kann – dann haben die Gemeinsamkeiten bereits ihr Ende und die Bewunderung für den Älteren wächst ins Unermessliche. Nur leise sagt eine innere Stimme, Fußballschauen habe doch auch seinen Sinn, Entspannung und so.

Der nächsten Generation wird aufgefallen sein, dass das Wort „Stapel“ nur Sinn ergibt, wenn es sich um auf Papier gedruckte Exemplare handelt. Ja, das gibt es noch, aber bevor jemand jetzt darüber zu lächeln beginnt, sei in aller Deutlichkeit festgehalten: Das Zeug, das Sie, die Jüngeren, in irgendwelchen Wolken speichern, ist kein bisschen besser, nur weil Sie die Lüftung für die stromfressenden Rechner in irgendwelchen Rechenzentren, die Sie damit heiß laufen lassen, nicht hören können.

Ob wir aus Bäumen Papier machen oder Datenstapel anhäufen, wir sind uns ähnlicher, als wir denken. Und ein Erlebnis haben wir gemeinsam: diese tiefe innere Ruhe, wenn wir mit wochenlanger Verspätung nachlesen, was wir noch vor einem Wimpernschlag der Geschichte für wahnsinnig aufregend gehalten haben. Aber es stimmt schon, die papierlose Jugend hat es leichter: einfach im Datenstapel nach „Laschet“ und „Kanzler“ suchen – und dann: Sie wissen schon.

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