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Bücher über Bücher.
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Bücher über Bücher.

Times mager

Stapel

  • Judith von Sternburg
    VonJudith von Sternburg
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Bücher bis zum Mond? Na ja, nicht ganz. Aber immerhin 2057 Meter hoch.

Zu den Wochen und Tagen vor der Buchmesse gehört auch eine Verzettelung im analogen und virtuellen Raum, in dem man ebenfalls längst Zettel benutzt. Zettel: unschlagbar. Diese Verzettelung wäre aber absolut nicht eingetreten, hätte man rechtzeitig mit den Vorbereitungen begonnen. Jetzt werden Sie fragen: Was für Vorbereitungen sollen das sein? Genau das ist eben die Frage. Sie müssen darin bestehen, die richtigen und wichtigen Bücher zu lesen. Über die richtigen und wichtigen Dinge nachzudenken. Sich wahnsinnig zu konzentrieren und zugleich wahnsinnig die Übersicht zu bewahren. Etwas in dieser Art.

Stattdessen überrumpelt uns der Börsenverein des Deutschen Buchhandels mit der Rechnung, dass ein Stapel mit den Neuerscheinungen des vergangenen Jahres 2057 Meter hoch wäre, gut zwei Kilometer. Der Börsenverein nennt diese Zahl zweifellos mit Bedacht und mit seinem unnachahmlichen Gespür für Effekte, bedenkt aber nicht die Folgen.

Zwei Kilometer Bücher, ist das viel, ist das wenig? Zum Beispiel bräuchte man doch trotzdem 192 200 Jahre, um mit einem Stapel aus Neuerscheinungen nach und nach zum Mond zu gelangen. Wenn die Zahl der Neuerscheinungen nicht wie zuletzt noch weiter zurückgeht. Reden wir gar nicht von den Stabilisierungsproblemen. Reden wir auch nicht davon, dass in Olga Tokarczuks „Jakobsbüchern“ eine historische Abbildung zeigt, wie schon der Turm von Babel selbst im Falle des Gelingens die Statik der Erde völlig unterminiert hätte. Hierzu ein vernünftiger Geistlicher in Tokarczuks Roman: „Ein Turm, der bis in die Sphäre des Mondes reicht, würde die gesamte kosmische Ordnung stören“, Stichworte Fundamentausmaß, Verschattung (damit kennen wir uns in Frankfurt aus), aber auch: „Die Menschen müssten den gesamten Holzvorrat und allen Lehm auf der Erde aufbrauchen.“ Zumindest diese Schwierigkeit wäre mit dem Bücherstapel behoben. Jedoch: eine delikate Unternehmung.

Zugleich ist der Mond letztlich das Mindeste, wohin Bücherproduktion und Büchererwerb führen sollten. Erreicht wurde er in der Literatur nicht mit schnöden Mondlandern für die Reichen, sondern mit Ballons, Leitern und Kanonen. Die Kanone verfehlte zwar ihr Ziel, aber nicht, weil die Schwungkraft gefehlt hätte.

Der Neuerscheinungsstapel einmal nicht vertikal, sondern horizontal angeordnet reicht übrigens vom Messegelände aus nicht einmal bis zum Römer. Sind es insofern nicht einfach doch zu wenige Bücher?

Das aber war oben gemeint, als davon die Rede war, man müsse über die richtigen und wichtigen Dinge nachdenken. So wird es wieder nichts. So ist es wieder nichts geworden.

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