Sein oder Nicht-Sein am bisherigen Standort?
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Sein oder Nicht-Sein am bisherigen Standort?

Times mager

Theaterstreit als große Bühne

  • Christian Thomas
    vonChristian Thomas
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Bei der Debatte um die Zukunft der Städtischen Bühnen in Frankfurt war die Heldenrolle noch unbesetzt. Das könnte sich jetzt ändern.

In der Debatte um die Zukunft der Städtischen Bühnen Frankfurt haben die Protagonisten bisher gefehlt. Das ist sicherlich seltsam, doch unter den Politikern ist bisher kein Held, unter den Politikerinnen lange keine Gestalt, die die Geschicke lenkt. Sicher, kein interessierter Beobachter erwartet in der Sache eine Tragödin oder einen Komödianten, denn theatralisch, der Gedanke geht weiter, lässt sich die Bühnenzukunft gewiss nicht bewältigen.

Und doch fehlte bisher die Figur, zu der das Publikum womöglich ein wenig aufschaut, weil es doch um eine so wichtige Entscheidung geht: Neubau oder Sanierung? Sein oder Nicht-Sein am bisherigen Standort, im Zentrum? Trennung von Oper und Schauspiel? Und fehlte nicht auch ein Akteur, der glaubhaft machen könnte, warum am Ende 800 Millionen Euro Kosten, womöglich eine Milliarde Euro legitim sind?

Streit um städtische Bühnen

Nein, kein Protagonist bislang – doch das scheint sich jetzt zu ändern, denn Frankfurts Kulturdezernentin Ina Hartwig hat den Vorschlag der CDU, die Bühnen aus der Innenstadt abzuschieben, ungewöhnlich scharf zurückgewiesen. Die Empfehlung, auf einem Gelände im Osthafen einen Theaterneubau zu verwirklichen, wies die SPD-Stadträtin am Wochenende in der FR vehement zurück: „Es ist ein eiskalter und technokratischer Vorschlag.“

Die neue Rolle, die die Kulturdezernentin angenommen hat, bewertet die FAZ als eine „Emanzipation“ – und das ist eine nicht nur freundliche Charakterisierung. Tatsächlich hat Ina Hartwig, unvergessen, im März 2018, im Deutschen Architekturmuseum, ein für Frankfurt „unschätzbares Angebot“ beschworen, und dabei anstelle eines ansonsten und allerorten herrschenden „Realitätsprinzips“ für „Visionen und Leidenschaften“ geworben.

Städtische Bühnen: Zerstrittenheit der Römerkoalition

Umso bedauerlicher, dass die Bühnendebatte bisher nicht etwa eine mitreißende, sondern zumeist maue Angelegenheit war. Enthusiasmus wie im Oktober 2017 auf den Frankfurter Römerberggesprächen, im März 2018 im Deutschen Architekturmuseum oder im Mai 2018 auf einer Diskussionsreihe in den Bühnen selbst, kam nur sporadisch auf. Ja, das Publikum erinnert sich sentimental, aber an was? An einen nur temporären Aufschwung? An eine bloß flaue Konjunktur?

Leidenschaft hat die Sozialdemokratin Hartwig jetzt mit ihrer vehementen Absage an das Votum des Koalitionspartners CDU gezeigt. Angesichts der Zerstrittenheit der Römerkoalition ist zugleich absehbar, dass die Theaterdebatte in den Wahlkampf hineingezogen wird – und bloß instrumentalisiert wird? Es wird der Wahlkampftag kommen, an dem dieser oder jener Wahlkämpfer den Theaterstreit als große Bühne benutzen wird. Frankfurt sieht Helden entgegen.

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