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Bemerkenswert, wie rasch die Politik reagiert hat, denn sonst erginge es der Gesellschaft hier noch scheußlicher.

Times mager

Staatstragend

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Der Staat widerspricht dem gesunden Volksempfinden. Denn er ist bemüht, sich vernünftig zu verhalten.

Unangenehm, denn wer schon möchte dabei erwischt werden, staatstragend zu sein? Es gab unter Radikalen keinen fundamentaleren Vorwurf – und er geht weiterhin um. Unter Systemsprengern, Kapitalismuskritikern, echten Revolutionären kein Verdikt, das vernichtender wäre. Staatstragend, das war Günter Grass, das war der preußische Professor Hegel. Wer? Jedenfalls die Tagesschauriege, die Bahnpolizei, Markus Lanz, die Herren Virologen, die Lügenpresse, der Bundespräsident, der sowieso. Eine Lösung müsste her, und am besten sofort. Deshalb hier der Aufruf zur Abschaffung der Staatstragenden.

Der Hashtag wird nachgereicht. Bis dahin aber vielleicht doch noch der Gedanke, dass der Staat in diesen Tagen einen ziemlich guten Job macht. Sorry dafür, für den Gedanken, aber um ihn vielleicht doch noch kurz auszuführen. Ausgehend von der Situation, dass sich die Bundesrepublik in einer bisher so noch nicht gekannten, vor einem Vierteljahr so nicht absehbaren Krise befindet (die Rede ist von der Corona-Krise), ist es immerhin bemerkenswert, wie rasch die Politik („die Politik“) reagiert hat, denn sonst erginge es der Gesellschaft hier, „uns“, noch scheußlicher, so elend wie etwa den Italienern, Franzosen, Engländern oder Spaniern.

Dennoch ist die Sondersituation etwas für die Durchblickenden - nicht zu reden von den Klammheimlichen, den Partisanen… Und das sind nicht etwa nur die Reichsbürger. Man muss im Waffenschrank nicht ein Sturmgewehr haben, es reicht schon ein extrem sortierter Bücherschrank. Sie wissen schon. Wissen, was da angestrebt wird, der permanente Ausnahmezustand, und nicht nur von Alexander Gauland. Auch von Systemsprengern anderer Couleur.

Derweil ist der Staat bemüht, sich staatstragend zu verhalten, denn er ist bemüht, sich einigermaßen vernünftig zu verhalten. Dabei macht er es nicht allen recht. Das hat damit zu tun, das die Politik, wenn man sie in den letzten Wochen richtig verstanden hat, von der staatlichen Vernunft nicht nur eine Idee hatte, sondern sogar einen Plan vorweisen konnte, einen Krisenplan. Die Infektionskurve drücken, die Ansteckungsrate zugleich strecken. Die Politik erklärt, verabschiedet Gesetzesverschärfungen, auch Verbote. Aber hebelt sie den Rechtsstaat aus? Sie bemüht sich um Transparenz, macht keine Hoffnungen fahrlässiger Art. Sie widerspricht dem gesunden Volksempfinden!

Das ist nicht schlecht, um es cool zu sagen. Pathetisch, nämlich der historischen Situation angemessen ließe sich sagen: Wenn es vielleicht auch nicht die Gesellschaft sein mag, so sind es doch die Genesenden, die sagen können, sie seien dabei gewesen.

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