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Die Bundesregierung möchte ab 2013 ein Betreuungsgeld für Eltern einführen, die ihre Kinder zu Hause erziehen. Werden Kinder so zum Einkommensfaktor? Von Christian Schlüter

Fangen wir heute mal ganz unvermittelt mit einem Beispiel an, einem nicht unbedingt harmlosen, aber dafür gut bekannten. Die neue Bundesregierung möchte ab 2013 ein Betreuungsgeld in Höhe von 150 Euro monatlich für Eltern einführen, die ihre Kinder zu Hause erziehen. Dagegen meldete etwa der Berliner Bezirksbürgermeiser Heinz Buschkowsky (SPD), er regiert den berüchtigten Problembezirk Neukölln, sofort Bedenken an: Kinder in den so genannten bildungsfernen Schichten würden zu einem "Einkommensfaktor" - das Betreuungsgeld sei allenfalls ein Grund, noch mehr Kinder in die Welt zu setzen, und werde ansonsten versoffen. Eben deshalb plädierte Buschkowsky für die Abgabe von Bildungsgutscheinen an deutsche und migrantische Unterschichten.

Wo liegt hier der Skandal? Selbstverständlich fühlte man sich sofort an Thilo Sarrazins drastische Auslassungen über die "kleine Kopftuchmädchen" produzierenden Migranten und dergleichen anderen Leichtsinn erinnert. Aber so geht die Geschichte weiter: "Für Hartz-IV-Empfänger zum Beispiel wollen wir überlegen, ob wir Gutscheine anbieten. Zum Beispiel für Bildung der Kinder oder für den Besuch bestimmter Einrichtungen." Das hat Angela Merkel gesagt und wurde so gleich auf Buschkowsky und Sarrazin angesprochen. Antwort: "Das ist nicht meine Sprache." Der Unterschied liegt, wohlgemerkt, in der Sprache, nicht etwa in der Sache. Unsere Bundeskanzlerin gibt sich unaufgeregt, sie vermeidet jeden Lärm.

Nun wird gerade die Lärmlosigkeit von Medienvertretern beklagt. Der Bundestagswahlkampf etwa sei krawallarm und langweilig gewesen oder, ganz aktuell, der neue schwarz-gelbe Koalitionsvertrag biete kaum Inhalte, über die zu streiten sich jetzt schon lohne - Wie unser kleines Beispiel aber nahelegt, lässt man sich wohl nicht nur von der unaufgeregten und dafür effektiven Merkel-Sprache allzu gerne täuschen. Zu vermuten ist: Wir Journalisten sind einfach zu faul, Parteiprogramme und Koalitionsverträge genau zu lesen; stattdessen wollen wir uns auch nur unterhalten lassen. Merkel aber kann sich sicher sein, dass man sie unbehelligt machen lässt.

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