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Hans-Jürgen Linke ist Feuilleton-Redakteur der Frankfurter Rundschau.
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Hans-Jürgen Linke ist Feuilleton-Redakteur der Frankfurter Rundschau.

Kolumne

Speläologie

Tief unter der Erde, da ist es schön, sangen die Erdmännchen in der Augsburger Puppenkiste. Das Leben unter der Erde ist nicht nur schön, sondern gilt auch als sicher, ungeachtet aller Wassereinbrüche, Grubenunglücke, U-Bahn-Schläger und verschwundenen Speläologen.

Von Hans-Jürgen Linke

Tief unter der Erde, da ist es schön, sangen die Erdmännchen in der Augsburger Puppenkiste. Wer die Geschichte um den Erdmännchenkönig Kalle Wirsch und den bösen Zoppo Trump kennt, für den dürfte das Leben unter der Erde nichts Schreckliches haben. Das Leben unter der Erde ist nicht nur schön, sondern gilt auch als sicher, ungeachtet aller Wassereinbrüche, Grubenunglücke, U-Bahn-Schläger und verschwundenen Speläologen.

Besonders Regierende, deren Aufgabenbereiche normalerweise überwiegend oberirdisch gelagert sind, projizieren Sicherheitsinteressen gern unter die Erde. Das galt für die Nationalsozialisten, die Geheimwaffen gern in unterirdischen Fabriken fertigen ließen; das war bei Ceausescu nicht anders, der unter seinem stadtviertelgroßen Bukarester Palast Katakomben ebenso schwer fassbaren Ausmaßes vorsah; das galt für Regierungen zur Zeit des Kalten Krieges, die sich an ausgedehnten unterirdischen Bunkeranlagen erfreuten. Und das gilt offenbar inzwischen auch für die deutsche Bundesregierung, die sich Sorgen um die Sicherheit des Schienenverkehrs macht.

Sie will gern recht bald 37 unterirdische Schutzräume, die seit dem Ende des Kalten Krieges nutzlos vor sich hin dunkeln, mit moderner Kommunikations- und Sicherheitstechnik ausrüsten lassen, damit im Falle von Naturkatastrophen oder terroristischen Anschlägen sichere Leitstellen für die Aufrechterhaltung des Zugverkehrs zur Verfügung stehen.

Die Kosten? Nicht der Rede wert. 100.000 Euro Umbaukosten pro bestehendem Bunker, Neubaukosten noch nicht kalkuliert, ebenso wenig der Kostenanstieg bei öffentlichen Bauten um 800 Prozent. Im Mai noch wollte der oberflächliche Rechnungsprüfungsausschuss nicht mitspielen. Jetzt dringt das Verkehrsministerium auf eine Freigabe der Mittel, wegen gestiegener Anschlags- und Katastrophengefahr.

Ein besonders sicherer und kommunikativer Bunker wird wohl unter dem Stuttgart-21-Bauwerk errichtet werden, jenem Bahnhofs-Projekt, das nur der erste Schritt einer Verlegung des kompletten Schienenverkehrs unter die Erdoberfläche ist. Die Zukunft wird unterirdisch.

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