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Jürgen Klopp legt eine Pause ein und erschwert so den notwendigen Abstand zum Gegenstand der Berichterstattung.
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Jürgen Klopp legt eine Pause ein und erschwert so den notwendigen Abstand zum Gegenstand der Berichterstattung.

Times mager

Spationieren

Das Leben dort draußen prägt den Redaktionsalltag. Und umgekehrt. Vom Formulieren, Rezensieren, Glossieren und Spationieren.

Auch der Redaktionsalltag wird von Vorkommnissen mitgeprägt, die von außen auf ihn eindringen. Als etwa am Montag die Eilmeldung eintraf, Jürgen Klopp habe erklärt, er werde erst einmal eine Pause einlegen, erklärte auch mancher Redakteur sogleich, er werde erst einmal eine Pause einlegen. Es ist nicht immer einfach, den notwendigen Abstand zum Gegenstand der Berichterstattung einzuhalten. Kollege K. verlangte sogar, man möge das – also seine Pause – doch bitte rasch als Eilmeldung versenden. Darin zeigt sich allerdings bloß eine latent subversive Haltung gegenüber der Nachrichtenagentur, die Klopps Äußerung mit der Priorität 2 verschickt hatte.

Dabei ist das noch nichts gegen den umgekehrten Vorgang: Die Prägung des auswärtigen Lebens durch den Redaktionsalltag. Mögliche Folgen: Das Redaktionsmitglied wird beim ersten Blick auf ein Familienfest bereits den szenischen Einstieg formulieren („Die kleine Anna hat ihr Stoffzebra in den Kartoffelsalat gesteckt“), die Tischdekoration rezensieren („Die Tischdekoration zeigt boulevardeske Elemente mit schwarzer Grundierung“) oder eine Notiz zu einer Glosse machen („Auch der Redaktionsalltag wird von Vorkommnissen mitgeprägt, die von außen auf ihn eindringen“).

Beinhart ist es, draußen im Leben die letzten Worte nicht flott löschen zu können. Natürlich schimpft jeder Büroangestellte den ganzen Tag lang über den Computer. Aber das ist ungerecht gegenüber der Maschine und den Spielräumen, die sie ihrem Nutzer eröffnet. Wenn man sich beim Kochen, Streiten und Zettelzerreißen erstmals wütend fragt, wo sich die Return-Taste befindet, weiß man, dass die Work-Life-Balance wankt.

Der jüngste Schlenker ergab sich, als das Spationieren mittels einer dreiteiligen Tastenkombination aufkam. Beim Spationieren werden Buchstaben enger aneinander gerückt. Damit geht mehr in eine Zeile, damit muss man weniger kürzen. Die Legalisierung des Spationierens (eigentlich ein Feld für Fachleute: die Grafiker) ist das Paradies der Redakteure. Es ist, als dürften sie die Büchse der Pandora öffnen und darin befände sich nur das Schönste und Süßeste. Es ist übrigens in der Redaktion umstritten, ob man sich über dieses Thema öffentlich äußern soll. Manchmal ist Diskretion das Mittel der Wahl. Manchmal aber auch nicht.

Es war nur eine Frage der Zeit, dass auch die Wendung „Spationierung der Welt“ im Raum stand. Natürlich nur zum Spaß. Aber was wäre das, die Spationierung der Welt? Alles würde einfach passen. Unfassbar, aber möglich. Steuerung, Alt, Bindestrich.

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