Bitte deaktivieren Sie Ihren Ad-Blocker

Für die Finanzierung unseres journalistischen Angebots sind wir auf die Anzeigen unserer Werbepartner angewiesen.

Klicken Sie oben rechts in Ihren Browser auf den Button Ihres Ad-Blockers und deaktivieren Sie die Werbeblockierung für FR.de. Danach lesen Sie FR.de gratis mit Werbung.

Lesen Sie wie gewohnt mit aktiviertem Ad-Blocker auf FR.de
  • Zum Start nur 0,99€ monatlich
  • Zugang zu allen Berichten und Artikeln
  • Ihr Beitrag für unabhängigen Journalismus
  • Jederzeit kündbar

Sie haben das Produkt bereits gekauft und sehen dieses Banner trotzdem? Bitte aktualisieren Sie die Seite oder loggen sich aus und wieder ein.

Die Gyros-Portionen in der Taverna Sparta waren alles andere als spartanisch.
+
Die Gyros-Portionen in der Taverna Sparta waren alles andere als spartanisch.

Times mager

Sparta

  • Thomas Stillbauer
    VonThomas Stillbauer
    schließen

Alles andere als spartanisch waren die Portionen in der Taverna Sparta. Aber was wollten wir eigentlich erzählen ...?

Die Zeit vergeht. Einst sann man aus dem Fenster starrend auf neue Ideen für kurze Betrachtungen über das Leben. Heute ist man hauptsächlich damit beschäftigt, neue Ideen darauf zu überprüfen, ob sie überhaupt neu sind. Im Speicher mit den eigenen alten, bereits gedruckten Ideen stößt man dabei auf interessante Themen. Wären sie neu, hätten sie es durchaus verdient, in der Zeitung zu stehen. Aber da standen sie ja nun schon.

Kürzlich ergab sich die Situation, dass ein vergleichsweise junger Mensch ganz heiter gestand: Er habe vergessen, was er googeln wollte. Die Erleichterung der Älteren kannte keine Grenzen. So etwas passiert also auch jenen, die praktisch im Internet geboren und in einer Online-Suchmaschine aufgewachsen sind. Einen brennenden Gedanken haben, sofort etwas herausfinden müssen, und 0,22476 Sekunden später nicht mehr wissen, was.

Wollte man damals etwas herausfinden, als noch keine teppichdicke Staubschicht auf Meyers Taschenlexikon in 24 Bänden lag (oder auf dem Brockhaus der Kollegin aus der Mittwochausgabe), gab es immer noch die Ausrede, man könne ja unterwegs mal was vergessen. Da hieß es aufstehen, in den Flur gehen (genau, „rüberspringen“), Bücherregal, ganz oben, richtigen Band wählen (Klas bis Las, Lat bis Mand, Mane bis Moni? Was suche ich noch mal?), das war noch ein veritabler Vorgang. Heute: Telefon aus der Tasche ziehen. Er habe unterwegs vergessen, was er suchen wollte, sagte der junge Mensch – im Sitzen. Alle strahlten.

Erstaunlich: Auch wenn dir entfallen ist, wovon du dir einen Erkenntnisgewinn versprachst – die Vorfreude aufs Resultat bleibt noch einen Moment erhalten.

Das Internet vergisst natürlich nichts, noch nicht mal die Taverna Sparta, der die Suche galt, jetzt fällt’s dem Hirn wieder ein. Die Taverna Sparta war, neben Coop und Penny, ein wichtiger Baustein für die Versorgung Studierender mit Nahrungsmitteln. Auf der Speisenkarte standen harmlose Gerichte wie Tsatsiki, Gyros und Souvlaki zu günstigen Preisen, aber wenn der Wirt nach dem Essen die Teller wegräumte, nahm er auch die Gewissheit mit, dass seine Gäste für die nächsten vier Tage satt sein würden. Die Portionen, die er brachte, waren alles andere als spartanisch. Und hinter jeden Satz hängte der Wirt ein „Dankebitte“ mit seiner ernst gemeinten Papageienstimme. „Noch vier Ouzo, dankebitte?“ – „Zusammen 22,80 Mark, dankebitte!“

Irgendwann hieß es, im Sparta seien Tiere zubereitet worden, die man sich nicht auf dem Teller wünscht. Sicher nur Neid. Die Taverna ist seit Jahrzehnten Geschichte, aber das Internet tut so, als könnte man jederzeit mal rüberspringen.

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare