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Hans-Jürgen Linke ist Feuilleton-Redakteur der Frankfurter Rundschau.
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Hans-Jürgen Linke ist Feuilleton-Redakteur der Frankfurter Rundschau.

Kolumne

Spät genug

Langsam stellt sich der Eindruck ein, Bahnbeschimpfung sei zur Konsens-Pflege verkommen. Im Gegenteil, niemand traut sich mehr positiv über die Deutsche Bahn zu sprechen. Dabei tut die Bahn nur ihre Pflicht.

Von Hans-Jürgen Linke

Viele Mitbürger haben in den vergangenen Wochen wieder die Gelegenheit wahrgenommen, auf die Deutsche Bahn zu schimpfen, und alle werden gute Gründe dafür gehabt haben. Gleichwohl stellt sich langsam doch der Eindruck ein, dass Bahnbeschimpfung zur Konsens-Pflege verkommen ist: Alle Welt nickt beifällig zu wortgewandten Ausfällen, niemand traut sich mehr, in den breiten Konsens hinein positiv über die Deutsche Bahn zu sprechen. Dabei tut die Bahn nur ihre Pflicht.

Was aber ihre Pflicht ist, ist offenbar nicht allgemein bekannt. Allgemein herrscht die schöne Illusion, die Bahn wäre der Infrastruktur und dem Gemeinwohl verpflichtet. Was nicht ganz falsch ist, aber nicht für alle Aktivitäten der Bahn gilt. Denn andererseits soll, was niemand bestreiten würde, die Bahn auch Gewinne machen. Und dazu reicht es eben manchmal nicht ganz, den Fahrgästen Fahrkarten zuzüglich Reservierungsgebühr zu verkaufen. Um zusätzliche Einnahmen zu generieren, hat die Bahn seit geraumer Zeit geheime Verträge mit einigen Mobiltelefon-Providern geschlossen. Darin verpflichtet sie sich zu einer bestimmten Mindestrate täglicher Verspätungen.

Wer das nicht glaubt, soll nur mal schauen, was passiert, wenn nachmittags um 16.10 Uhr 150 Menschen auf einem Bahnsteig eines Großstadtbahnhofs stehen und auf den Zug warten, der um 16:22 abfahren soll, und aus dem Lautsprecher tönt die höfliche Durchsage, dass der Zug etwa zehn Minuten Verspätung habe. Im nächsten Augenblick ziehen geschätzt 75 der 150 Reisenden ihr Mobiltelefon und sagen irgend jemandem, dass sie sich verspäten würden und dass die Bahn doch eine rechte Gurkenfirma sei.

Wenn wir uns klar machen, dass etwa der IC von Konstanz nach Hamburg-Altona an 25 Haltebahnhöfen diese zehn Minuten Verspätung hat und an jedem telefonieren 75 Fahrgäste, so dass wir auf 1875 verspätungsinduzierte Telefongespräche während einer Fahrt dieses IC kommen, dann wissen wir nun, warum die Bahn sich verspätet. Die Mobiltelefonie-Provider verpflichten sich dafür zur Zahlung einer gebührenabhängigen Summe an die Deutsche Bahn, wofür wir hiermit um Ihr Verständnis bitten.

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