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Arno Widmann leitet die Feuilletonredaktion der Frankfurter Rundschau.
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Arno Widmann leitet die Feuilletonredaktion der Frankfurter Rundschau.

Time Mager

Sommertraum

Die Kollegin verabschiedet sich in den Urlaub. Sie wird ihn in Frankreich verbringen. Im eigenen Haus, einem Anwesen. Nein, nein ich will es mir nicht auf Google Earth anschauen. Von Arno Widmann

Die Kollegin verabschiedet sich in den Urlaub. Erst am 10. August wird sie wieder hier sein. Hier - das ist das Großraumbüro der Frankfurter Rundschau, der modernste Newsdesk Europas. An der Wand vier mal drei Meter groß die Gesichter der Demonstranten in Teheran. Dann ein Kommentator. Der Ton ist abgestellt, desto gewaltiger wirken die Bilder und desto eindrucksvoller, was die Kollegin mir von ihren Ferien erzählt.

Sie wird sie in Frankreich verbringen. Im eigenen Haus. Ein Haus? Nein, ein Anwesen. "Es sieht wunderschön aus", sagt eine andere Kollegin - während hinter ihr Gläubige mit weit aufgerissenen Augen auf Rafsandschani schauen. "Ich habe bei Google Earth nachgesehen. Wirklich sehr, sehr schön. Wollen Sie es sich nicht auch einmal ansehen?" Nein, nein, ich will nicht. Ich bin doppelt so alt wie die Damen und habe nichts als ein Reihenhäuschen aus dem sozialen Wohnungsbau der sechziger Jahre. Nein, selbst das habe ich nicht. Ich habe es allenfalls in Aussicht.

Ich rede davon, dass es sicher an der Loire läge und Besucher auf einer hübschen Steinbrücke einen Wassergraben überqueren müssten, um zu dem zinnenreichen Bau aus dem 16. Jahrhundert vorzudringen. Das soll sich lustig anhören. Ein wenig Spott und heitere Ironie, wie es dem Serenissimus des Ressorts gut ansteht.

Aber in Wahrheit bin ich neidisch. Ich hätte auch gerne eine kleine Herberge im Warmen. Einen Ort, an dem einem Wespen den Pflaumenkuchen streitig machen und Bremsen hinter einem herzischen, wenn man mit steifgelegenen Gliedern aus dem Liegestuhl aufsteht.

Einen Garten, in dem Mittags die Hitze steht und die Luft so sehr flirrt, dass der Blick nichts festhalten kann. Es gibt doch nichts Schöneres, als in einem alten Haus mit dicken Steinmauern zu sitzen, in dem einem auch dann noch ein wenig fröstelt, wenn man draußen Angst hat zu atmen, weil die Luft so heiß ist, dass sie in der Kehle weh tut. Vielleicht ist es aber in Wahrheit noch schöner, davon zu träumen, statt das bröckelnde Gemäuer, die Apfelbäume, den Jasmin, Nachbarn und den Lebensabschnittsgefährten pflegen zu müssen.

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