Kuh Yvonne wird auf einer Weide im Landkreis Mühldorf am Inn (Oberbayern) eingefangen. Ihre Flucht vor dem Schlachter machte sie 2011 zum internationalen Medienstar.
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Kuh Yvonne wird auf einer Weide im Landkreis Mühldorf am Inn (Oberbayern) eingefangen. Ihre Flucht vor dem Schlachter machte sie 2011 zum internationalen Medienstar.

Times mager

Sommerloch

  • Sylvia Staude
    vonSylvia Staude
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Selbst Sommerlöcher hatten früher mehr Anstand. Aber wer denkt heute noch an Bruno und Yvonne?

Als die Sommer noch Sommer waren (jetzt sind sie Hitzesommer, Trockensommer, Waldsterbensommer, zuletzt Corona-Sommer) und also auch die Sommerlöcher noch Sommerlöcher waren (das Corona-Sommerloch reicht in diesem Jahr von März bis, hm, Dezember?), da gab es Kaimane, die einen Namen hatten („Sammy“) und Badende gefressen oder mindestens in die Wade gezwickt haben sollen. Den Kaimanen machten Schnappschildkröten Konkurrenz, die ihre Gefährlichkeit schon im „Schnapp“ trugen. Denen wiederum machten Killerwelse Konkurrenz. Keinen störte es – außer vielleicht den Wels –, dass die Meldungen auf übler Nachrede beruhten. Und denkt noch jemand an den Problembären, Bruno? Oder Kuh Yvonne, 92 Tage „auf der Flucht“ (so die Schlagzeilen), sich dabei nur von Pflanzen ernährend und insgesamt raffinierter als Bonnie und Clyde? Trotzdem blieb Yvonne ein One-Summer-Wonder.

Und diesen Sommer? Bzw. dieses überlange Sommerloch? Nichts. Bis jetzt.

Doch jetzt kamen Kevin und Carol und schafften es in die Presse, indem sie sich in Yaraka, Australien, so danebenbenahmen, dass sie das einzige Hotel im Ort fortan nicht mehr betreten dürfen und auch keinen Alkohol mehr erhalten, obwohl sie volljährig und, wenn sie sich ein bisschen gerade halten, mehr als zwei Meter groß sind. Kevin und Carol, so wird berichtet, und alle 12 bis 18 Yarakaner sind Zeugen, stahlen von den Tellern der Hotelgäste, klauten sogar Toast aus dem Toaster, und wenn sie dann ein Bedürfnis überkam, hinterließen sie etwas, das „enorm, sehr groß und sehr stinkend“ gewesen sein soll. Den 12 bis 18 Einwohnern von Yaraka sei gesagt: das ist Emu-Diskriminierung. Ein Seil und ein Schild („wegen schlechten Benehmens …“) versperren den Vögeln nun den Weg, und es ist unfair, jemandem mit einem Verbotsschild zu kommen, der nicht lesen kann.

Kevin und Carol immerhin haben so lange Beine, dass sie ihr Bündel schnüren und es in einem gastfreundlicheren Ort versuchen können. In Yaraka werden die Leute sehen, was sie davon haben, nämlich keine internationale Presse mehr. Eel McPherson dagegen hat sich aus dem Tümpel, in dem er (oder sie) mehr als 25 Jahre lang von George Campbell versorgt und von Kindern gestreichelt wurde, nun bei einer Flut davongemacht, obwohl er/sie keine langen bzw. gar keine Beine hat. Ob er/sie gut im Meer angekommen ist? Ob er/sie sich nun fortpflanzt? George Campbell wünscht seinem Aal alles Gute.

Das sind so Geschichten, die in einem Sommerloch erzählt werden müssen, in dem anderes doch bitte auch so spurlos verschwinden möge wie ein Fisch namens McPherson.

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