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Der Main erlebte mit dem Aufkommen der Dampfschifffahrt große Veränderungen.
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Der Main erlebte mit dem Aufkommen der Dampfschifffahrt große Veränderungen.

Times mager

So oder so

  • Christian Thomas
    VonChristian Thomas
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Verschlankung, Vertiefung, Stauchung, Stauung: Der einst recht seichte Main wurde verändert.

Kein Fluss, über den nicht der Fortschritt eingezogen wäre an seinen Ufern, so oder so, auch am Main. Kein Fluss, über den nicht auch der Fortschritt hinweggezogen wäre, auch über den Main. Kein Fortschritt, der nicht allerhand unterschiedliche Reaktionen ausgelöst hätte.

Große Veränderungen, für viele Anrainer sicherlich besonders verstörende im Laufe seiner Biografie, erlebte der Main mit dem Aufkommen der Dampfschifffahrt. Vermehrtes Tempo, erhöhte Tonnage, beides erzwang Veränderungen. Binnen nicht einmal fünf Jahren, zwischen 1843 und 1847, veröffentlichten Friedrich Menk-Dittmarsch und Ludwig Braunfels zwei dem Main von Herzen verpflichtete Bücher, beide aus romantischer Perspektive. Hier aber Bedauern, dort dagegen euphorisches Begrüßen. Menk-Dittmarsch nannte es die „jetzige Sturm-und-Drangperiode“ mit ihren „Correktionen“, denn keine „Krümmungen“ mehr im Fluss, mit denen er sich durch „das schöne Thal windet“. Dagegen berauscht zeigte sich Braunfels, wenn er die „Verbesserung seines Bettes“ begrüßte. In den Eingriffen sah er einen ästhetischen Gewinn, im vorbeieilenden Rauch eines Dampfbootes den Garanten einer verheißungsvollen Zukunft: „Die Dampfschiffahrt hat den Main, den wunderbar lieblichen Fluß, erst erschlossen für die Freunde der Natur.“

Sechs Jahre zuvor, 1841, war sie auf dem Main eingeführt worden. Der Augenzeuge Braunfels ging schwungvoll mit der Zeit, er war ein begeisterter Zeitzeuge einer Welt im Umbruch. Aber klar, Fortschritt bedeutete nun mal kein gemächliches Fortschreiten, sondern verlangte Mithalten, Schritthalten bei einer Entwicklung, auch in diesem Fall, vor 200 Jahren, so oder so.

Correktur bedeutete seit 1820 Begradigung ebenso wie Verschlankung, Vertiefung, Stauchung, Stauung, das alles im großen Maßstab. Der auf seinem gesamten Lauf unter normalen Umständen sehr seichte Main, oft kaum mehr als einen Meter tief, dafür aber bis zu 350 Meter breit, veränderte sich. Old Main River: fortan umfunktioniert zur Wasserstraße, seine Natur zivilisiert, sein Lebenslauf modernisiert, von A nach B rationalisiert. Eine gewaltige Metamorphose für den Main, und doch – ja, doch, mit den Rauchfahnen der Dampfschiffe, unter den Schaufeln und Schrauben der neuen Schiffe, die den Fluss aufwühlten, die ganz neue Wellen schlugen, entwickelte der Main für Braunfels eine neue Magie, seine Ufer entlang, mit Weinbergen, bewaldeten Hängen, in bebauten Fassaden, sich spiegelnden Silhouetten.

Der Fluss führt vieles mit. Gelegentlich eingenommen sind wir vom Main weiterhin. So sehen wir ihm dann auch nach, so oder so.

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