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Und dann kamen die Ramones.
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Und dann kamen die Ramones.

Times mager

Smoke

  • Thomas Stillbauer
    VonThomas Stillbauer
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Bei den meisten hat das Musikmachen nicht glorreich angefangen. Hier begann es mit einem denkwürdigen Auftritt in der Schul-Aula.

Es geht ums Musikmachen, um den Zugang. Wie alles angefangen hat. Und wenn wir ehrlich sind: Bei den meisten hat es nicht glorreich angefangen.

Der Freund hatte Geburtstag. Zwölften? Dreizehnten? Er durfte sich Schallplatten für 200 Mark aussuchen, aber er sagte: „Nee, hier – E-Gitarre.“ Plötzlich hatte der Freund eine E-Gitarre. Natürlich brauchte man selbst auf der Stelle ebenfalls eine E-Gitarre. So war’s beim Jojo gewesen, bei den Union-Jack-Hosenträgern und bei den Skihandschuhen. Der Freund hatte alles zuerst (sein Vater war Volljurist), und dann musste man alles auch haben.

Den passenden Gitarrenkurs gab Ricky King wöchentlich in der Jugendzeitschrift. Ricky King war nicht gerade der oberangesagte Rockstar, aber alle anderen Gitarrenlehrer waren zu teuer. Nach ein paar Wochen sah sich die Band bereit für gemeinsame Proben im Keller des Mietshauses. Die Nachbarn überlebten die ersten dieser Nachmittage knapp, dann war der Umzug in die Katakomben der örtlichen Kirchengemeinde stahlharte Bedingung, sollte die Karriere nicht schon mit C-Dur enden (wobei C-Dur gar nicht so einfach war, aber da gingen die Meinungen auseinander).

Es folgten zahlreiche personelle Umbesetzungen, ein erster Schulfestauftritt im Klassenraum mit armseligem Equipment (der Sänger röhrte durch den zweiten Eingang des Gitarrenverstärkers), dann verkündete der Freund, er habe ein Angebot der anderen Band aus der Klasse. Die gab es schon vier Monate länger. Das waren also Vollprofis. Wir mussten ihn ziehen lassen. Ablösefrei.

Auf den mutmaßlichen Höhepunkt unseres Ruhms arbeiteten wir dennoch akribisch hin: einen Gig in der Aula. Es gab nur zwei Schwierigkeiten. Erstens wurde der Bassist mit akuter Appendizitis ins Krankenhaus eingeliefert. Jemand musste seinen Part übernehmen. Und viel gravierender: Irgendeiner musste ja singen.

Laut Mehrheitsvotum sollten beide Schwierigkeiten durch ein und dieselbe Person behoben werden. Dass diese Person sich gerade im Stimmbruch befand, spielte in der Demokratie offenbar keine Rolle. Und so geschah es, dass die international wenig bekannte Band Deep Valley an einem denkwürdigen Abend in der Aula des angesehenen Gymnasiums erstmals „Smoke On The Water“ von Deep Purple in der Version „eine Oktave tiefer gesungen“ darbot. Stellenweise eineinhalb Oktaven. Komma sieben.

Noch Wochen später brummten Klassenkameraden in Walgesang-Frequenzen „Smooook onse Wooootaaa“, während Banknachbarn Schnarchgeräusche dazu machten. Aber insgesamt sei es ein toller Auftritt gewesen, habe irgendjemand gesagt, hieß es. Zum Glück kam dann Punkrock.

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