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Pures, ablenkungsfreies Lesen. Am besten auf Papier. Das summt, brummt, klingelt nicht.
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Pures, ablenkungsfreies Lesen. Am besten auf Papier. Das summt, brummt, klingelt nicht.

Times mager

Slow Reading

  • Sylvia Staude
    VonSylvia Staude
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Slow-Reading-Zonen in der S-Bahn, in denen es dann ganz still sein muss: Das wäre was.

Es war beim ebenso lust- wie planlosen Online-Rumgeklicke, dass der Blick auf die Wörter „Slow Reading“ fiel. Und hängenblieb. Auf der anderen Seite der Erde, im neuseeländischen Wellington, hat jemand nach dem Vorbild der Slow-Food-Bewegung – langsam kochen, langsam kauen – den ersten Club fürs Langsamlesen gegründet (oder so dachten wir zunächst, dies für plausibel haltend bei Menschen, die den Tag kopfunter verbringen). Die Homepage des Slow Reading Clubs, zu der die kurze Meldung dankenswerterweise verlinkt war, zeigte allerdings, dass kein S-R-Clubmitglied gezwungen werden soll, nicht mehr als, sagen wir, ein Wort in der Sekunde zu lesen.

Nicht auf eine Drosselung der Lesegeschwindigkeit kommt es den neuseeländischen Slow-Readern an (na ja, ein wenig schon auch), vielmehr auf ablenkungsfreies, sozusagen pures, hundertprozentiges Lesen. Einmal in der Woche kommt man in einem Wellingtoner Café zusammen, bestellt sich ein Getränk, schaltet das Handy aus – und liest in stiller Eintracht eine Stunde lang in einem Buch seiner Wahl. Ein Foto auf der S-R-C-Homepage zeigt, dass jedes Clubmitglied Papier in der Hand hat, obwohl man ja theoretisch auch auf einem Kindle oder E-Reader oder was auch immer ablenkungsfrei lesen können muss. Hauptsache, das Teil zirpt, pfeift, kuckuckt oder summt nicht. Angeblich wird die Türklingel des Cafés für die Slow-Reading-Stunde abgeschaltet.

Andere Clubs reden

Andere Leseclubs treffen sich, um über Bücher zu reden. Hier ist das Reden in jeder Form, mit oder ohne Gerät, fern- oder nahmündlich verboten. (Wir hätten da den Vorschlag, öffentliche Verkehrsmittel zu Slow-Reading-Zonen zu machen. Und wer sein Handy nicht ausschaltet, dessen RMV-Monatskarte wird eingezogen.)

Das erste Gebot des Slow Reading Clubs lautet: Schaffe in deinem Leben Platz fürs Lesen. Fein. Aber schon zweitens offenbart ein Grundproblem: Vermeide die Zwickmühle der Wahl, heißt es da. Und: Es könne ratsam sein, sich auf die Bücher zu beschränken, die im heimischen Bücherregal stehen. Hah!

Mit Blick auf das eigene Bücherregal müssen wir feststellen, dass andere literarische Slow-Gründungen dringender sind. So das Slow Publishing: Mitglieds-Verlage verpflichten sich, nicht mehr als zwei Bücher pro Saison herauszubringen. Und, da man sinnvollerweise beim Erzeuger ansetzen sollte, das Slow Writing: Als Zusammenschluss von Autoren, die versprechen, erst wieder in zehn bis zwölf Jahren ein Buch zu veröffentlichen. Freilich ist zu befürchten, dass doch nur wieder die Falschen in diesen Club eintreten.

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