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Slapstick

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Von: Sandra Danicke

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Louvre: Cheese für das Selfie mit der Mona Lisa hinter Glas. (Archivbild 2020)
Louvre Paris: Cheese für das Selfie mit der Mona Lisa hinter Glas. (Archivbild 2020) © kyodo/dpa

Nicht jeder erträgt den Gesichtsausdruck der Mona Lisa. Wobei der junge Mann, der jüngst eine Sahnetorte nach ihr warf, eine andere Begründung parat hatte.

Ihr Lächeln provozierte von Anfang an. Ist es überhaupt ein Lächeln? Ist es nicht eher ein amüsiertes Schmunzeln? Macht sie sich über uns lustig? Über jene, die sich vor der Glasscheibe knäulen, um ihren (spöttischen?) Blick wenigstens durch das hoch gehaltene Smartphone zu betrachten? Über den eigenwilligen Begriff von Authentizität, der entsteht, wenn das eigene Handybild bedeutender erscheint als die identischen Handybilder aller anderen? Als handele es sich um eine selbst erlegte Beute.

Um die Mona Lisa in Ruhe betrachten zu können, müsste man allein mit ihr sein, ohne Glasscheibe. Was natürlich nicht geht, weil erstens alle anderen auch allein mit ihr sein wollen und zweitens die Mona Lisa so provoziert, dass man sie schützen muss.

1911 hatte ein Italiener das mehr als 500 Jahre alte Gemälde zurück in sein Herkunftsland Italien bringen wollen. Er wurde aber gefasst, als er das Bild einem Antiquitätenhändler in Florenz verkaufen wollte. 1919 bearbeitete Marcel Duchamp eine Reproduktion der Mona Lisa mit einem Bleistift-Bärtchen, Titel „L. H. O. O. Q.“. Spricht man die Buchstaben französisch aus, ergibt sich daraus der Satz „Elle a chaud au cul“ (Sie hat einen heißen Hintern). Es geht bei diesem Spruch allerdings nicht um das Gesäß, das man gar nicht sieht. Mit einem solchen Ausdruck bezeichne man in Frankreich eine Nymphomanin, heißt es.

Weniger humorvoll reagierte 1956 ein Bolivianer auf Mona Lisas Lächeln. Er bewarf das Originalwerk mit einem Stein und beschädigte dabei dessen linke Seite. Danach setzte man im Louvre, wo das Werk hängt, Sicherheitsglas ein. 2005 tauschte man es durch einen Panzerglaskasten aus, in dem für eine ideale Temperatur und Luftfeuchtigkeit gesorgt wird. Dass Panzerglas auch einen hervorragenden Schutz gegen fliegende Teetassen bietet, zeigte sich 2009, als eine Besucherin das Bild damit bewarf. Zuletzt (also vor wenigen Tagen) bewarf ein 24-Jähriger selbst ernannter Umweltaktivist das Bild mit einer Sahnetorte. Er hatte sich in einen Rollstuhl gesetzt und sich als alte Frau verkleidet vor das Bild geschummelt. Ob aber der Umwelt mit einem Slapstick-Klassiker gedient ist?

Was es mit dem leicht schiefen Lächeln der Mona Lisa auf sich hat, darüber spekulierten inzwischen auch Mediziner. Eine Diagnose lautet Fasziallähmung. Ein anderer Experte wies darauf hin, dass Menschen, die ihre Schneidezähne verloren haben, bisweilen auf diese Weise lächeln. Denkbar. Damals war Parodontitis ein weit verbreitetes Problem, das nicht selten mit Zahnverlust einherging.

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