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Skorpion

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Von: Sylvia Staude

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Abwerfen, um zu überleben, und fortan mit Verstopfung leben? Oder sich gleich fressen lassen? Der Skorpion hat‘s auch nicht leicht.
Abwerfen, um zu überleben, und fortan mit Verstopfung leben? Oder sich gleich fressen lassen? Der Skorpion hat‘s auch nicht leicht. © Membio/Imago

Manchmal lohnt es sich, über Dinge zwei Mal nachzudenken – beispielsweise über die Vergabe der „Ig Nobel Prizes“.

Neben den Nobelpreisen, traditionell im Oktober verkündet, gibt es die im September ebenfalls in diversen Wissenschaftssparten vergebenen „Ig Nobel Prizes“, deren Ziel es sein soll, das auf den ersten Blick Lachhafte, dann durchaus Nachdenkenswerte auszuzeichnen – allerdings muss bei manchen von ihnen das Nachdenkenswerte – beziehungsweise der Nutzwert des Erforschten – doch eher gesucht werden.

Jedenfalls, wenn man ein Mensch und kein Skorpion ist, denn männliche Skorpione können diesmal immerhin lernen (laut einer Studie der Universität von São Paulo), dass sie erstens langsamer werden, wenn sie ihren Schwanz abwerfen, um einer Gefahr zu entkommen, zweitens ohne Schwanz bald unter Verstopfung leiden und drittens wegen erstens und zweitens bei den Skorpionmädchen nicht mehr gut landen können. Nach Lektüre der Studie kann der Skorpion sich nun informiert entscheiden: Rette ich mich durch Abwerfen des Schweifes und bin dann ein Loser mit Verstopfung; oder lasse ich mich gleich fressen und kann vielleicht noch so tun, als opferte ich mich heldenhaft für Frau und Kinder.

Etwas lernen können von einem der 2022er-Ig-Nobels, nämlich dem für Physik, auch Entchen: dass sie nämlich Energie sparen, wenn sie in Formation schwimmen – und die meiste Energie spart das Entchen ganz am Ende. Die wissenschaftliche Arbeit, die in dem Buch „Mechanik und Physiologie des Tierschwimmens“ veröffentlicht wurde, bietet außerdem Mama Ente wertvolle Argumentationshilfe, ihren Haufen auf Linie zu bringen.

In die vom Menschen als durchaus befriedigend empfundene Kategorie Wusste-ich’s-Doch fallen gleich mehrere der Preise. Ein Team der Universität Leiden fand heraus, dass sich der Herzschlag von Menschen, die sich just ineinander verlieben, synchronisiert. (Siehe schon: „Zwei Herzen im Dreivierteltakt“.) Ein japanischer Professor beschäftigte sich mit der Menschenhand, wenn sie an einem Knauf dreht, Titel der Studie: „Wie Finger während der Drehbewegung eines säulenartigen Knaufs zu nutzen sind“. Das Ergebnis: je dicker der Knauf, desto mehr Finger sind nötig (wobei die Obergrenze bei fünf liegt, Zentimeter und Finger). Professor Gen Matsuzaki freute sich, so sagte er bei der Verleihung, Anerkennung zu ernten für die Erforschung eines Problems, „das sonst keinen kümmert“. Und schließlich ging der Wirtschafts-Ig-Nobel an drei Mathematiker, die erklärten, warum in aller Regel nicht die talentiertesten Menschen auch am erfolgreichsten sind, sondern die, die am meisten Glück haben.

Okay, möchten wir einwenden, aber müsste hier nicht auch die Skrupellosigkeit ins Spiel kommen?

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