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Times Mager

Sinn & Rausch

Ja, man bleibt halt seinen Gewohnheiten treu; na ja, da taucht schon der erste Zweifel auf: Ob Thomas Karlauf, Jhrg. 55, Stefan-George-Biograph, heute wohl noch so gerne kifft wie anno 1974? Von Ina Hartwig

Von INA HARTWIG

Free access-mäßig lümmelt sich der analoge Mensch des Abends in seinen abgeschabten Sessel, seufzt genüsslich und schmökert in druckfrischen Zeitschriften. Ja, liebe Kinder, so machen wir das, man bleibt halt seinen Gewohnheiten treu; na ja, da taucht schon der erste Zweifel auf: Ob Thomas Karlauf, Jhrg. 55, der im jüngsten Heft von Sinn und Form (sieht immer noch schön DDR-mäßig aus mit diesem beige-holzigen Papier, und haben wir Westberliner Studenten in den Achtzigern - ja, Studenten, nicht Studierende, herrje - nicht schubladenweise die Papierreserven im Kaufhaus am Alex aufgekauft für ein paar Ostmark...), ob also Thomas Karlauf, seines Zeichens Stefan-George-Biograph, heute wohl noch so gerne kifft wie anno 1974?

Genau das getan zu haben, und zwar während der Vorbereitung aufs Abitur in Frankfurt am Main, und während auf dem Plattenspieler Bob Dylans "Ballad of a Thin Man" etliche Runden drehte, bekennt der heute soignierte Herr Karlauf. Der "großartige" Dylan-Song schildere "eine Art früher Swingerparty in der Schwulen- und Transvestitenszene von Greenwich Village", fasst Karlauf zusammen und gibt zu, die Obszönitäten zwar nicht verstanden zu haben, die da lauten: "Here is your throat back, thanks for the loan", aber in einem sicher gewesen zu sein: Der im Song verspottete Mr. Jones sei ein Spießer. Und ein Spießer wollte K. nicht sein.

Manche Menschen haben einfach Glück resp. den richtigen Job: Als Schüler verteilt Karlauf auf der Buchmesse seiner Heimatstadt eine Zeitung, und dabei fällt das wohlwollende Auge eines gew. Wolfgang Frommel auf ihn, der den "blühwilligen" Knaben, wie die Georgianer das nennen, prompt nach Amsterdam einlädt. Dort residiert Frommel in der Herengracht 401 und gibt die Zeitschrift Castrum Peregrini heraus, und nicht nur das: Er domptiert einen Jungenclub von Gnaden, welcher sich dem Erbe Stefan Georges inbrünstig verschrieben hat. "Meine Jahre im Elfenbeinturm" nennt Karlauf seine Amsterdamer Zeit, insgesamt 10 Jahre, die er in der skurrilen Loge verbrachte - nein, spießig ging es da wirklich nicht zu. Castrum Peregrini wurde inzwischen eingestellt, Sinn und Form gibt es noch. Darauf einen Joint, Herr Karlauf!

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