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Für Pink Floyd sang Clare Torry sinnlose Silben auf dem Album "The Dark Side Of The Moon"

Times mager

Silben

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Clare Torry wird 70. Wohaa hohohoo.

Wetten, dass Sie schon wieder vergessen haben, wer Clare Torry ist? Wohaa hoho-ooohohohoaaaaauuhuhuhuaaaa yeah. Vor acht Monaten haben wir hier über sie geplaudert. An diesem Mittwoch wird sie siebzig. Wohoohoohohaaauuu.

Machen Sie sich nichts draus. Es gibt in Sachen Gedächtnisleistung ganz andere Kaliber. Seit Wochen hält sich eine Zeitungsmeldung in der Spitzengruppe der meistgelesenen Nachrichten, die darauf fußt, dass ein 56-jähriger Mann 1997 seinen Wagen in Frankfurt parkt. Bald darauf beginnt man mit dem Bau des größten Riesenrads von Europa (London Eye alias Millennium Wheel, 1998), richtet es auf (1999), eröffnet es (2000), bringt den Euro als Zahlungsmittel in Umlauf (2002), erweitert die EU um zehn Mitglieder (2004), wählt Joseph Ratzinger zum 264. Nachfolger Petri (2005).

Vier Wochen lang ist im Sommer 2006 Kaiserwetter, ehe Italien Fußballweltmeister wird. Die USA bestimmen Barack Obama zum Präsidenten (2008), die Isländer legen mit ihrem Vulkan Eyjafjallajökull, an dessen Namen sich mehr Menschen erinnern als ans gestrige Abendessen, den internationalen Flugverkehr lahm (2010). Thomas Gottschalk moderiert zum allerletzten Mal „Wetten, dass…“ (2011). Ein Gerät namens „Neugier“ landet auf dem Mars und sendet seine Eindrücke zur Erde (2012), Joseph Ratzinger überlässt den Job im Vatikan seinem Kollegen Jorge Mario Bergoglio (2013), der gesetzliche Mindestlohn von achtfuffzich tritt in Kraft (2015).

2017 schließlich steigt in Norwegen der Marktanteil von Autos mit Elektroantrieb auf 37 Prozent, und in einer Frankfurter Abbruchgarage wird der mittlerweile schrottreife Benziner eines 76-jährigen Mannes gefunden, den er dort 1997 abgestellt hat. Überall in Deutschland stehen in den folgenden Tagen die Leute gackernd vom Frühstückstisch auf und rufen beim Verlassen der Küche ihren Mitgackerern zu: „Da hat der Typ zwanzig Jahre lang vergessen, wo sein Auto parkt! Was wollte ich noch mal im Wohnzimmer?“

Aber wie gesagt: Kann passieren. Schon 1885 lehrte uns der unvergessene Psychologieprofessor Hermann Ebbinghaus, Erfinder der berühmten Ebbinghaus-Illusion, dass der Mensch vergisst: Nach 20 Minuten sind noch 60 Prozent übrig, langfristig bleiben nur 15 Prozent. Ebbinghaus testete das Ganze mit sinnlosen Silbenreihen, die er sich merken wollte. Wer weiß, vielleicht war „auto“ damals dabei.

Apropos: Wohaa hohohoo – Clare Torry ist die Sängerin, die für Pink Floyd 1973 sinnlose Silben auf dem Album „The Dark Side Of The Moon“ zusammensang. Happy Birthday!

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