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Im abendlichen Gespräch in der Familie ist die Erinnerung ein Ball, der meistens knapp vorbeigeschossen wird am Tor.
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Im abendlichen Gespräch in der Familie ist die Erinnerung ein Ball, der meistens knapp vorbeigeschossen wird am Tor.

Times mager

Sich erinnern

  • Sylvia Staude
    VonSylvia Staude
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Im abendlichen Familiengespräch ist die Erinnerung ein Ball, der meistens knapp vorbeigeschossen wird am Tor.

Wie hieß der doch gleich? Dieser Fernsehtyp mit den semmelblonden Haaren, der so furchtbar viel redete … ach, du weißt schon. (Nein, man weiß nicht mehr, glücklicherweise. Heino? Nee. Aber man könnte schwören, dass der, an den man sich nicht erinnert, nicht semmelblond gewesen sein kann.) Und wie hieß eigentlich der Ort, in dem wir diesen Campingurlaub gemacht haben, der so schrecklich ins Wasser fiel, im wahrsten Sinn des Worts? (Das hab ich verdrängt, sagt das Gegenüber, und das ist gut so. – Irland vielleicht?) Wann war das nochmal, als du auf einen Seeigel getreten bist? (Hab ich vergessen, brummelt es, das ist doch wirklich nicht wichtig.) War das vielleicht in dem Jahr, als Dänemark die EM gewann? (Das immerhin könnte man schnell nachgucken, alles kein Problem heute, Smartphone, Sie wissen schon.)

(Kurze Stille.) Weißt du noch, wann das war, als der A. verunglückte beim Skifahren? Als die B. ihren Mann verlassen hat, kurz vor Weihnachten? Als der C. so stolz war, dass er durch Vietnam getrampt war, dass er es jedem erzählen musste? (Der Diaabend erst! Nahm kein Ende. Aber das nur nebenbei.) Und wann war das, als die D. den Buchladen eröffnete und ein Jahr später schon wieder zumachte? Und wenn wir schon dabei sind: In welchem Winter war das nochmal mit dem meterhohen Schnee, so dass junge Männer mit Schneeschaufeln auf Flachdächer geschickt wurden? 2016? Nee, das muss länger her sein …

Das ist länger her, garantiert. Das ist auf keinen Fall so lange her, das könnte ich beschwören. Das war bestimmt der E. Das kann nicht der E. gewesen sein, da war der doch schon nach F. gezogen. Verflixt, warum fällt mir das jetzt nicht ein!

Im abendlichen Gespräch in der Familie ist die Erinnerung ein Ball, der meistens knapp vorbeigeschossen wird am Tor. Manchmal jagt einer dem Ball hinterher, geradezu besessen. Oft lassen alle den Ball ins Aus rollen, mit einem Achselzucken. Wen interessiert das, sagt dann einer. Oder: an den E. habe ich ewig nicht mehr gedacht. Oder: ich kann mich an keinen Diaabend über Vietnam erinnern, du meinst sicher die G., die uns so gelangweilt hat mit ihrer Kalifornien-Reise… Aber was ist eigentlich aus der G. geworden, ist die noch mit diesem H. zusammen?

Dann kann es passieren, dass wieder Schweigen herrscht und jeder seiner eigenen Erinnerung nachhängt. Versucht, die Dinge im Kopf zurechtzurücken, einzupassen. Dass der Einspruch schon auf der Zunge liegt, aber Moment – vielleicht war das mit dem strengen Winter tatsächlich … und das mit dem Diaabend wahrhaftig … ach, eigentlich egal. Oder was meint ihr?

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