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„Killed Holmes“, notierte Arthur Conan Doyle.
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„Killed Holmes“, notierte Arthur Conan Doyle.

Times mager

Showdown

  • Judith von Sternburg
    VonJudith von Sternburg
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4. Mai 1891: Ringkampf der Bohnenstangen am Reichenbachfall.

Ein besonders interessanter Showdown der Literatur fand am heutigen Dienstag vor genau 130 Jahren ohne Augenzeugen statt. Wie Sie hier sehen und übrigens ohnehin auch wissen, gab es aber einen Chronisten, der das Datum notierte, den 4. Mai 1891, und die Schlüsse so zog, wie der Meister der Schlüsse es ihn gelehrt hatte. Wenn sämtliche andere Möglichkeiten ausgeschlossen werden können, so muss die verbleibende Möglichkeit die richtige sein. Wenn es keinen anderen Weg gibt und am Ende des Weges nur einen furchtbaren Abgrund, und wenn von zwei Personen, die sich dort befinden müssten, jede Spur fehlt, so müssen sie beide heruntergefallen sein. Ah, da steht auch noch ein Spazierstock, und um ganz sicher zu gehen, führen zwei Paar Schuhabdrücke zum Rand des furchtbaren Abgrunds, aber nicht mehr zurück. Ja, der Autor hatte Gründe, jedes Missverständnis zu vermeiden. „Killed Holmes“, notierte Arthur Conan Doyle. Es gab Britinnen und Briten, die sich in den nächsten Tagen mit Trauerbinde oder schwarzer Krawatte zeigten.

Heute interessiert uns aber lediglich jener 4. Mai und der Weg dorthin. „The Last Problem“ ist an sich eine ausgesprochen lustlos wirkende Geschichte, aber in seiner Zielgerichtetheit (Kill Holmes) bestechend. Conan Doyle lässt Holmes einen besonders abscheulichen Verbrecher aus der Tasche ziehen, den später noch berühmt gewordenen Moriarty, dessen verbrecherischen Geniestreiche den Fähigkeiten Holmes’ in nichts nachzustehen scheinen. Zur Lustlosigkeit gehört, wie Conan Doyle Moriarty zwar in wenigen Sätzen als geradezu allmächtigen Schurken skizziert, aber nur ahnen lässt, was er überhaupt für eine Sorte von Verbrechen begeht (vielfältige, weltumspannende). Ebenso ist in kürzester Kürze zu erfahren, dass Holmes, erschöpft, aber nicht schläfrig, auf seiner Spur ist, sogar schon ein Netz ausgeworfen. Aber welche Spur, was für ein Netz? Ohnehin misslingt der Polizei die Festnahme – das kennt man aus dem Tatort, wenn noch Sendezeit ist –, und man trifft sich bald wieder.

Schwer zu sagen, ob das Kursorische in „The Last Problem“ brillant das Böse ins allgemein Metaphysische hebt, oder ob Conan Doyle hudelte, um Holmes und Moriarty rasch in den Reichenbachfall zu werfen. Man beachte hier, dass das Kräftemessen als solches im Patt endet. Zugleich ist es grotesk, dass zwei intellektuelle Hochflieger in einem schnöden Ringkampf unter mageren Bohnenstangen abstürzen.

Aber so war es dann ja auch nicht. Dass Sherlock Holmes ein paar Jahre später wieder auftauchte – für „Der Hund der Baskervilles“, prächtiger Anlass –, entsprach auf einer Skala des Hanebüchenen nicht ganz der Rückkehr des totgeglaubten Bobby Ewing in „Dallas“. Aber fast.

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