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Shakespeare

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Owen Wilson macht Werbung, ohne Shakespeare, aber für Sofas.
Owen Wilson macht Werbung, ohne Shakespeare, aber für Sofas. © afp

Jahrzehntelang wurde ein berühmter Satz Shakespeare zugeschrieben, bis endlich jemand auf die Idee kam, das nachzuprüfen.

Owen Wilson, der reizende US-Schauspieler aus „Midnight in Paris“, verdiente sich kürzlich mit einer Sofawerbung etwas dazu. Da es sich um einen britischen Sofahändler handelt, sagt er darin u. a.: „People usually are the happiest at home.“ Leute sind für gewöhnlich am glücklichsten zu Hause. Auch halten sie diesen Satz für gewöhnlich für einen Satz von Shakespeare, so dass sich der auf dem Sofa nicht begeistert, aber doch konzentriert räkelnde Darsteller auch entsprechend auf den „alten Barden“ beruft.

Zuerst erregte es einige Aufmerksamkeit, dass ein so berühmter Schauspieler wie Owen Wilson den Auftrag eines britischen Sofahändlers annimmt. Dann erregte es einige Aufmerksamkeit, dass der Satz „People usually are the happiest at home“ nicht von Shakespeare ist. Es scheint sich sogar um einen überdurchschnittlich erfundenen Satz zu handeln, bei dem nicht nur ein Detail falsch ist, sondern alles. Zugleich ist er aber auch überdurchschnittlich erfolgreich auf dem riesenhaften Markt der Shakespeare-Zitate. Der „Guardian“ weiß zu berichten, dass selbst die Shakespeare-Spezialisten des Globe Theatre davon überzeugt waren, es handele sich um ein Original. Bis man in sie drang mit der Bitte, den Ursprung zu nennen, welcher sich dann naturgemäß nicht finden ließ. Abertausende Zitatschätzlein haben den Satz aufgenommen, der laut „Guardian“ schon auf Platz 1 der Liste berühmter Shakespeare-Zitate auf www.ranker.com („vote on everything“) stand. Am Donnerstagabend um 23.59 Uhr war er allerdings auf Platz 16 gerutscht und am Freitagmorgen um 8.30 Uhr aus den Charts herausgefallen.

Denkt man einen Moment über den Satz nach, fällt einem auf, dass es sich nicht nur nicht wirklich um fünfhebige Jamben handelt, sondern auch um eine sagenhafte Plattitüde. Schon widerspricht Shakespeare selbst, jedenfalls tendenziell: „Tis ever common / That men are merriest when they are from home“ – „Männer treiben’s oft ja / Am tollsten, wenn sie von Zuhause weit sind“ („Heinrich V.“, Akt 1, Szene 2, hier von Erich Fried angenehm eindeutig übersetzt).

Gäbe es nicht viel Schlimmeres auf der Welt, wäre es niederschmetternd, dass erst wochenlang ein Sofawerbespot gesendet werden musste, um die Recherche anzuregen und die Angelegenheit sodann zu klären. Allerdings hat sich unsereiner vor langer Zeit in der Schule bis auf die Knochen blamiert, weil er „Wer nie sein Brot im Bette aß, weiß nicht wie Krümel pieken“ für ein Goethe-Zitat hielt. Daran war ein witziger Onkel schuld. Der Rest ist allemal Schweigen.

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